Es ist ein tiefer Fall. Seit dem Rekord vom 12. Juni fielen die Aktienkurse an der Börse von Schanghai um 40 Prozent. Fast 60 Milliarden Franken an Vermögen verpufften dadurch. Das trifft vor allem viele Neo-Anleger: 40 Millionen Chinesen haben in den letzten zwölf Monaten erstmals Geld an der Börse investiert – oft nahmen sie dafür einen Kredit auf. Monatelang fuhren sie hohe Gewinne ein. Nun aber mussten sie auf schmerzhafte Weise lernen, dass es am Aktienmarkt auch abwärts gehen kann. Auch die Regierung zahlte Lehrgeld: Der Markt lässt sich nicht für immer steuern.

Nicht alleine die schwindelerregende Höhe, in die sich der Aktienmarkt geschwungen hatte, sorgte für den China-Crash. Inzwischen mehren sich auch Zweifel an der Nachhaltigkeit des Wirtschaftswunders im Reich der Mitte. Zwar legte die Regierung in Peking für das zweite Quartal noch immer ein Wachstum von 7 Prozent vor. Die Zahlen schönt die Zentrale aber seit je.

Der gefürchtete Dominoeffekt

In der aktuellen Situation wächst das Misstrauen noch weiter, denn: Die kommunistischen Machthaber steuern schon seit langem krampfhaft diese 7 Prozent an. Dafür betreiben sie gerne auch Zahlenkosmetik. Peking tut aber auch sonst alles, um die eigenen Ziele zu erreichen. Die Regierung kurbelte den Immobilienmarkt und den Aktienmarkt mit billigem Geld an und startete gigantische und mitunter überdimensionierte Infrastrukturprojekte. Dadurch wurden Blasen geschaffen, die sich – wie jetzt an den Börsen – auch mal entladen können.

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Das geht auch an der Realwirtschaft nicht spurlos vorbei. Die Frage ist daher nun, wie China den Übergang vom gigantischen zum normalen Wachstum schafft. Gelingt eine weiche Landung oder fällt das Land in eine Krise? Die Meinungen sind geteilt. Klar ist aber, dass die Entwicklung in der Volksrepublik rund um den Erdball Folgen haben wird. Inzwischen ist China eng mit dem Rest der Welt verknüpft. Wenn der chinesische Drachen hustet, droht daher auch vielen anderen Ländern eine Erkältung. Die Schweiz ist hier keine Ausnahme. Die Bildergalerie oben zeigt eine Auswahl von Schweizer Firmen, die stark von der Kauflust der Chinesen abhängig sind.

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