Mit scharfer Kritik an der US-Schuldenpolitik hat China auf die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA durch die Ratingagentur Standard & Poor's reagiert. Die Zeiten, als sich die USA ihre Probleme einfach durch neues Schuldenmachen vom Hals hätten schaffen können, seien endgültig vorbei.

Als grösster Gläubiger der einzigen Weltmacht habe China «jetzt alles Recht, von den USA zu fordern, dass diese ihr strukturelles Schuldenproblem in den Griff bekommen und die Sicherheit von Chinas Dollar-Vermögen sicherstellen», hiess es in einem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag.

Xinhua, die als Sprachrohr der Regierung in Peking gilt, warf den USA eine «kurzsichtige» Politik vor und forderte Kürzungen der «riesigen Militärausgaben» und der «aufgeblähten» Sozialausgaben. Sonst sei die jetzige Herabstufung nur der «Auftakt» zu noch «verheerenderen» Bonitätsnoten.

Die Rolle des US-Dollars müsse international überprüft werden, hiess es in dem Kommentar weiter. Eine Option sei eine neue stabile weltweite Reservewährung. Dadurch könne sichergestellt werden, dass nicht ein einziges Land eine Katastrophe auslöse.

Standard & Poor's hatte in der Nacht die langfristige Kreditwürdigkeit der weltgrössten Volkswirtschaft um eine Stufe auf AA+ gesenkt. Die Ratingagentur zog damit Konsequenzen aus dem langwierigen Schuldenstreit in den USA. Es ist das erste Mal, dass die USA ihre Spitzenbonitätsnote bei einer führenden Ratingagentur verloren.

Chinesische Staatsmedien hatten in der vergangenen Woche bereits die Einigung im US-Schuldenstreit kritisch kommentiert. Xinhua warnte, dass es trotz der Anstrengungen zur Anhebung der US-Schuldengrenze nicht gelungen sei, Washingtons «Schuldenbombe» zu entschärfen.

Die chinesische Ratingagentur Dagong, deren Bewertungssystem von dem der US-Agenturen abweicht, stufte die Bonität der USA von A+ auf A herab.
(rcv/sda)

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