Chinas Industrie geht auf Talfahrt und verstärkt damit die Furcht vor einer markanten Abkühlung der Weltwirtschaft. Im November schrumpften die Geschäfte so stark wie seit März 2009 nicht mehr, wie aus dem Einkaufsmanagerindex der Grossbank HSBC hervorging.

Das Barometer fiel auf 48 Punkte und damit unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Bereits im September war der Bereich knapp unter diese Marke gefallen, bevor er sich im Oktober wieder aufrappelte.

Die Aktienmärkte reagierten mit Kursverlusten. Neben der Euro-Krise treibt die Anleger nun auch die Sorge um, dass der chinesische Wachstumsmotor ins Stottern geraten könnte.

Anzeige

«Das ist noch keine Katastrophe, aber es schürt natürlich die Angst vor einer deutlichen Abkühlung der Weltwirtschaft - schliesslich ist China der einzige Rettungsanker, den wir noch haben», sagte ein Händler.

Und das Wachstum der chinesischen Industrie werde sich in den nächsten Monaten weiter verlangsamen, warnte HSBC-Experte Qu Hongbin. Im Jahresvergleich werde das Plus nur noch bei 11 bis 12 Prozent liegen. Grund sei nachlassende Nachfrage sowohl in China selbst als auch im Ausland.

Das Schlimmste kommt noch

Fachleute warnen vor einem Abwärtstrend. «Das Schlimmste kommt noch», sagt Conita Hung von Delta Asia Financial Group. Wahrscheinlich würden neben Exportfirmen auch Unternehmen aus dem Banken- und Finanzsektor bald mehr Gegenwind spüren. Die Führung in Peking könnte jedoch mit neuen Steuerimpulsen gar einer Verringerung der Mindestreserveanforderungen für Banken gegensteuern.

Im Kampf gegen eine Überhitzung der Wirtschaft und eine anziehende Inflation hatte China die Banken dazu gezwungen, mehr Geld zu hinterlegen. Nun könnte sie die Anforderungen wieder herunterschrauben und damit dafür sorgen, dass beispielsweise mehr Geld für Investitionen bereitsteht.

China stellt sich allerdings darauf ein, dass die Wirtschaft nicht mehr die zweistelligen Jahreswachstumsraten erreichen, die den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg der Volksrepublik im vergangenen Jahrzehnt befeuerten. Die Weltbank sagt China für 2011 ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 9 Prozent voraus. Im kommenden Jahr soll es mit 8,4 Prozent noch etwas niedriger ausfallen.

(kgh/tno/sda)