China bekommt sein Wirtschaftswachstum nicht in den Griff. Trotz massiver Bremsmanöver nehmen Wachstum und Inflation weiter zu. Die Teuerung erreichte im März mit 5,4 Prozent den höchsten Stand seit fast drei Jahren, berichtete das Statistikamt. Und auch die Wirtschaft wuchs im ersten Quartal weiter um 9,7 Prozent.

Die Bevölkerung leidet vor allem unter dem starken Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Diese kletterten im März im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 11,7 Prozent. Der Kampf gegen die Inflation ist für Ministerpräsident Wen Jiabao daher die "drängendste Aufgabe" seiner Regierung. Der Preisdruck werde durch steigende Weltmarktpreise für Rohstoffe und höhere Arbeitskosten in China aber weiterhin ein Problem bleiben.

Erhöhte Liquidität

Hinter dem überraschend starken Anstieg der Inflation und des Wachstums steckt erhöhte Liquidität, die durch eine unerwartet hohe Kreditvergabe der Banken und starke spekulative Kapitalzuflüsse aus dem Ausland angeheizt wird. Die Devisenreserven stiegen im ersten Quartal um fast 200 Milliarden auf mehr als drei Billionen US-Dollar, obwohl China überraschend ein Handelsdefizit verbucht hatte. Die Banken haben im März auch mit 680 Milliarden Yuan (etwa 71 Milliarden Euro) mehr Kredite vergeben als vorhergesagt.

Experten rechnen jetzt mit weiteren Erhöhungen der Leitzinsen und der Mindestanforderungen des Bankenkapitals. Seit Jahresanfang wurden bereits zweimal die Leitzinsen und dreimal die Kapitalanforderungen erhöht, ohne dass das Wachstum spürbar zurückging. Im Vorjahr wuchs die Wirtschaft sogar um 10,3 Prozent. Auch die Produktionskosten steigen stetig. Die Erzeugerpreise legten im März um 7,3 Prozent auf den höchsten Stand seit 30 Monaten zu.

Die Konsusmentenpreise kletterten im gesamten ersten Quartal um fünf Prozent. "Gemessen an der inflationären Lage im ersten Quartal stehen wir immer noch unter grossem Preissteigerungsdruck", sagte Regierungschef Wen Jiabao. "Wir dürfen in unserer Wachsamkeit niemals nachlassen." Ursprünglich sollte der Anstieg der Verbraucherpreise bei vier Prozent kontrolliert werden.

Exportabhängigkeit verringern

Auch soll die heimische Nachfrage angekurbelt werden, um die Exportabhängigkeit zu verringern. Wie das Statistikamt weiter berichtete, legten die Einzelhandelsumsätze im März um 17,4 Prozent zu. Die Umsätze mit Autos, Haushaltsgeräten oder Möbeln stiegen aber nicht mehr so stark wie im Vorjahresquartal.

Trotz der Bemühungen der Regierung, Liquidität abzuschöpfen, legten die Investitionen im Immobilienbereich besonders stark mit 34 Prozent zu. In Wohnungen wurde sogar um 37 Prozent mehr investiert als im Vorjahresquartal. Die Anlageinvestitionen stiegen im ersten Quartal insgesamt um 25 Prozent.

Trotz der Verknappung der Geldpolitik habe die Regierung den boomenden Immobilienmarkt und das Wachstum noch kaum unter Kontrolle bringen können, befanden Experten. Sie rechnen mit einem unverändert starken Zuwachs der Wirtschaft von 9,5 Prozent auch in diesem Jahr - weit entfernt von den Zielen der Regierung, die im März noch sieben Prozent vorgegeben hatte, um mehr Nachhaltigkeit zu erreichen

(laf/cms/sda/awp)

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