Während die beiden weltgrössten Volkswirtschaften USA und China mit einer hohen Inflation kämpfen, machen der Nummer drei Japan fallende Preise zu schaffen.

Die Konsumentenpreise sanken im Oktober wegen des starken Yen und der schlappen Binnennachfrage um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilte das Innenministerium am Freitag in Tokio mit. Das war der erste Rückgang seit vier Monaten.

Für November zeichnet sich ein noch stärkerer Rückgang ab: Im Grossraum Tokio fielen die Preise um 0,5 Prozent. Experten gehen davon aus, dass die Notenbank in dieser Situation ihre Nullzinspolitik noch lange Zeit fortsetzen wird, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen und die Deflation zu bekämpfen.

Ein Grund für den Preisverfall ist der starke Yen, der ein Rekordhoch zum Dollar erreicht hat. Dadurch werden Importe billiger, die überwiegend in der US-Währung abgerechnet werden.

Aber auch der schwächelnde Binnenmarkt wird für den Rückgang mitverantwortlich gemacht. Die Nachfrage stockt wegen der Verzögerungen bei den Wiederaufbauarbeiten nach der Tsunami- und Atomkatastrophe sowie wegen des weltweiten Abschwungs. Um die vom Jahrhundertbeben im März verursachten Schäden zu beseitigen, investiert die Regierung rund 144 Milliarden Franken in den Wiederaufbau.

Andere grosse Volkswirtschaften kämpfen dagegen mit einer hohen Inflation. In den USA liegt die Teuerungsrate bei 3,5 Prozent, in China bei 5,5 Prozent und in Deutschland bei 2,5 Prozent.

In der Schweiz sanken die Preise im Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,1 Prozent. Sollten sich die deflationären Tendenzen erhärten, will die Schweizerische Nationalbank einschreiten.

Japan steckt - abgesehen von kurzen Unterbrechungen - seit vielen Jahren in einer Deflationsspirale. Auf breiter Front fallende Preise haben verheerende Folgen für die Wirtschaft: Unternehmensgewinne schrumpfen, Investitionen werden gestoppt, Arbeitsplätze abgebaut.

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(kgh/laf/sda)