Japan ruft wegen des Atomstörfalls in Fukushima die höchste Gefahrenstufe aus. Bisher war die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl von 1986 als einziger Unfall mit Stufe sieben auf der internationalen Bewertungsskala klassifiziert worden.

Allerdings entspreche die Menge an Radioaktivität, die aus den Reaktoren des AKW Fukushima freigesetzt worden sei, nur etwa zehn Prozent der freigesetzten Radioaktivität aus dem havarierten Atomkraftwerk Tschernobyl, erklärten Vertreter der japanischen Atomsicherheitsbehörde auf einer Pressekonferenz.

Die Einstufung des Unglücks sei vorläufig, hiess es. Vertreter. Eine endgültige Klassifizierung werde später eine Expertenkommission vornehmen.

Auf der internationalen Skala für atomare Vorfälle ist Stufe sieben "schweren Vorfällen" vorbehalten, bei denen "erhebliche Mengen Radioaktivität freigesetzt werden", die einen "bedeutende Effekt auf die Gesundheit und die Umwelt" haben.

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Permanente Kühlung von aussen notwendig

Mehrere Reaktoren der Atomanlage waren bei dem Erdbeben der Stärke neun und dem anschliessenden Tsunami am 11. März schwer beschädigt worden. Nach dem Zusammenbruch der Kühlsystem hatten sich vier der sechs Reaktoren so stark erhitzt, dass die Brennstäbe teilweise schmolzen.

Arbeiter und Ingenieure versuchen seitdem, die Kühlung der durch mehrere Explosionen stark beschädigten Reaktoren wiederherzustellen. Zugleich müssen die Reaktoren permanent von aussen mit Wasser gekühlt werden, um eine neuerliche Überhitzung zu verhindern.

Starkes Nachbeben

Indes hat es am Morgen erneut ein schweres Nachbeben die Katastrophenprovinz Fukushima erschüttert. Arbeiter im Krisen-AKW Fukushima 1 wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen, berichteten japanische Medien. Nach Angaben des Atombetreibers Tepco gibt es bislang keine Informationen über weitere Schäden in der Atomruine, berichtete der Fernsehsender NHK.

Nach Angaben der US-Behörde für Geologie ereignete sich das Erdbeben der Stärke 6,4 um 8.08 Uhr (Ortszeit, 1.08 Uhr MESZ) in einer Tiefe von 13,1 Kilometer unter der Erdoberfläche vor der Küste der Präfektur Chiba. Die japanische Meteorologiebehörde hatte zuvor eine Stärke von 6,3 gemessen.

Das Beben war in der rund 80 Kilometer vom Epizentrum entfernten Hauptstadt Tokio deutlich zu spüren. Eine Tsunami-Warnung wurde jedoch nicht ausgegeben.

Bahn- und Flugbetrieb unterbrochen

Die U-Bahnen und Schnellzüge im Grossraum Tokio wurden nach dem Beben sofort gestoppt, konnten nach einer Überprüfung der Gleise ihre Fahrt aber bald fortsetzen. Auch auf dem internationalen Flughafen Narita wurde der Betrieb vorübergehend unterbrochen.

Am Montag hatte bereits ein Beben der Stärke 6,6 den Nordosten des Landes erschüttert. Es hatte Erdrutsche ausgelöst, bei denen mehrere Häuser verschüttet und drei Menschen getötet wurden.

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(laf/tno/sda)