Die japanische Wirtschaft ist überraschend im dritten Quartal in Folge geschrumpft. Wie die Regierung bekannt gab, sank das Bruttoinlandsprodukt der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt zwischen Oktober und Dezember um eine hochgerechnete Jahresrate von 0,4 Prozent.

Ökonomen hatten mit einem leichten Wachstum gerechnet. Im Vergleich zum Vorquartal schrumpfte Japans Wirtschaft um 0,1 Prozent. Hintergrund sind der schwächelnde Exportmotor und geringe Investitionen. Die neue Regierung will das Land nun mit massiven Staatsausgaben und einer aggressiven Lockerung der geldpolitischen Zügel aus der Rezession und Deflation führen.

Der private Konsum, der in Japan zu rund 60 Prozent zur wirtschaftlichen Leistung des Landes beiträgt, legte zwar um 0,4 Prozent zu. Und auch die Investitionen im Hausbau stiegen um 3,5 Prozent. Die Unternehmen jedoch drosselten ihre Ausgaben um 2,6 Prozent und damit im nunmehr vierten Quartal in Folge, wie die Regierung auf vorläufiger Basis weiter bekannt gab. Hinzu kam, dass das exportabhängige Land 3,7 Prozent weniger ausfuhr. Bereits im vorangegangenen Quartal waren die Exporte um 5,1 Prozent geschrumpft.

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Die neue japanische Regierung erwartet jedoch dank ihrer massiven Stimulierungsmassnahmen einen deutlichen Wachstumsschub. Die Wachstumsprognose für das am 1. April beginnende Steuerjahr 2013/2014 hob sie kürzlich kräftig auf real 2,5 Prozent an. Die Vorgängerregierung war im August noch von 1,7 Prozent ausgegangen. Der neue Ministerpräsident Shinzo Abe will mit Blick auf die Oberhauswahlen im Sommer die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt mit aller Gewalt aus der Rezession und jahrelangen Deflation reissen. Abe hatte ungeachtet der gigantischen Staatsverschuldung von 235 Prozent des BIP ein Konjunkturprogramm über 20 Billionen Yen - also rund 159 Milliarden Euro - aufgelegt.

Zudem drängte er die Bank von Japan energisch dazu, die geldpolitischen Zügel weiter zu lockern. Als Folge gab der Yen stark nach. Dies löste internationale Kritik aus, Japan manipuliere auf diese Weise den Wechselkurs seiner Währung, um der wichtigen Exportindustrie des Landes auf dem Weltmarkt Vorteile zu verschaffen. Derweil tastete die japanische Notenbank den Leitzins wie erwartet nicht an. Die Währungshüter beschlossen, den massgeblichen Zinssatz zwischen 0 und 0,1 Prozent zu belassen und ihr Programm zum Ankauf von Wertpapieren nicht auszudehnen.

Wegen des gesunkenen Wertes des Yens blickt die Zentralbank inzwischen optimistischer auf die Konjunktur und verwies auch auf die Entwicklung der Weltwirtschaft. «Die japanische Wirtschaft hat offenbar die Talsohle erreicht», erklärte die Notenbank.

(muv/aho/sda)