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Aufbau
In Nepal ist noch keine Normalität eingekehrt

Bodnath Stupa im Wiederaufbau: Die Wunden des Bebens sind noch nicht verheilt. Keystone

Zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal kommt der Wiederaufbau endlich voran. Doch immer noch leben Millionen Menschen in behelfsmässigen Unterkünften. Helvetas versucht das zu ändern.

Veröffentlicht am 20.04.2017

Nach den schweren Erdbeben im Frühling 2015 war der Wiederaufbau in Nepal nur sehr schleppend in Gang gekommen. Mittlerweile hat sich dies verbessert. Die Zusammenarbeit von Behörden und Nichtregierungsorganisationen sei in Fahrt gekommen, sagt Franz Gähwiler, Nepal-Programmkoordinator für die Schweizer Hilfsorganisation Helvetas.

Eine Reihe heftiger Beben hatte den Himalaya-Staat vor knapp zwei Jahren getroffen - die beiden stärksten Erdstösse gab es am 25. April und am 12. Mai. Ihre Auswirkungen waren verheerend: Rund 9000 Menschen kamen ums Leben, mehr als 22'000 weitere wurden verletzt.

Acht Millionen Menschen betroffen

Knapp acht Millionen Menschen waren von der Erdbebenserie betroffen. Die Wiederaufbauhilfe durch den Staat und Nichtregierungsorganisationen kam jedoch lange nicht in Fahrt. Grund waren politische Schwierigkeiten sowie administrative Hürden.

«Die Lage hat sich in den letzten Monaten deutlich gebessert», sagt Gähwiler im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Helvetas ist seit 60 Jahren in Nepal aktiv und arbeitet beim Wiederaufbau mit der Partnerorganisation Solidar Suisse zusammen. Insbesondere seit Ende letzten Jahres seien die Aufbauarbeiten in den Erdbebengebieten gut vorangekommen.

Wie Gähwiler erläutert, klappt die Zusammenarbeit mit den Behörden besser, vor allem mit der Nationalen Wiederaufbaubehörde, die alle involvierten Akteure koordiniert. Er bedauert jedoch, dass es immer noch viel zu lange dauere, bis die staatlichen Beamten den Baufortschritt begutachten, damit Helvetas und andere weitere Hilfsgeldtranchen für die Fertigstellung der Häuser auszahlen können.

Neue Regierung erhöht Hilfsgelder

Verbessert habe sich die Lage auch, weil im August letzten Jahres in Nepal eine neue Regierung an die Macht gekommen sei. Als eine der ersten Amtshandlungen habe diese die versprochenen Hilfsgelder für Betroffene von 200'000 auf 300'000 nepalesische Rupien (knapp 2870 Franken) aufgestockt.

Dieser Betrag reiche zwar nicht aus, damit die Familien damit den kompletten Neubau eines erdbebensicheren Wohnhauses bezahlen könnten, sagt Gähwiler - dazu fehlten rund 50'000 bis 100'000 Rupien. Die Lage sei für die betroffenen Menschen jedoch nicht "Jenseits von Gut und Böse".

2,5 Millionen Menschen in Notunterkünften

Den fehlenden Betrag könnten viele Familien durch Eigenleistungen wettmachen oder durch die Aufnahme von Krediten. Wer es sich leisten konnte, wartete hingegen nicht auf die Auszahlung der staatlichen Hilfe und finanzierte auf eigenes Risiko den Hausbau selbst. Schwierig sei die Lage für Zehntausende sehr arme Familien. Besonders diesen greife Helvetas unter die Arme - durch zusätzliche finanzielle Unterstützung, durch technische Beratung oder die Ausbildung von Fachkräften, die dann beim Wiederaufbau Arbeit finden.

Der Wiederaufbau in den Erdbebengebieten ist zwar in Gang gekommen, dennoch lebe der grösste Teil der betroffenen Bevölkerung noch in behelfsmässigen Unterkünften. Gähwiler schätzt ihre Zahl auf etwa 2,5 Millionen Menschen.

«Wohnsituation unzumutbar»

Sie leben sehr beengt in Wellblechhütten, die wegen ihrer runden Form und wegen des Wellblechs (englisch «Tin») in Nepal als «Tiglus» bezeichnet werden. Wegen der Notlage sei dies bisher zwar zumutbar gewesen, «mittlerweile ist die Wohnsituation für diese Menschen jedoch zunehmend unzumutbar», sagt er. Weiter hätten mindestens eine Million Menschen nur behelfsmässigen Zugang zu Trinkwasser.

Viele Schäden an der Infrastruktur sind jedoch mittlerweile behoben: «Bei Fahrten in den betroffenen Gebieten fällt auf, dass nicht mehr alles kaputt ist», sagt Gähwiler. Wo es bereits vor der Katastrophe Strom gegeben hatte, funktioniere die Versorgung mit Elektrizität wieder; Strassen seien teilweise besser instand als vor dem Beben.

(sda/gku)

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