Der Einbruch des Erdölpreises trifft die Golfstaaten besonders hart. Das «Schwarze Gold» ist das Haupthandelsprodukt in der Region. Mehrere Minister haben am Freitag am Weltwirtschaftsforum (WEF) aber die Chancen des tiefen Erdölpreises ins Zentrum gerückt. Jetzt sei der Zeitpunkt, um über Wirtschaftsreformen zu sprechen, lautete der Tenor im Davoser Kongresszentrum. Spätestens Anfang 2017 würden die Preise wieder steigen.

«Nun müssen wir die Subventionen auf Ölprodukten reduzieren», sagte der kuweitische Finanzminister Anas Saleh in einer Debatte über künftige Wirtschaftsreformen in der arabischen Welt. Die niedrigen Ölpreise sorgten dafür, dass die Bezüger von Erdöl die Beseitigung von Subventionen besser tragen könnten. In Kuweit seien Reformpläne in diese Richtung bereits 2013 von der Regierung aufgegleist worden, sagte der Vizepremier des Golfstaates. Er wies damit Vorwürfe zurück, wonach der Reformwille erst nach dem Einbruch der Rohstoffpreise aufgekeimt sei.

«Endlich den realen Preis für Energie zahlen»

«Es ist die Gelegenheit für die Menschen, endlich den realen Preis für Energie zu zahlen», sagte Suhail al-Mazroui, der Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate. Dreissig Prozent der Wirtschaftssektoren seines Landes sind ans Erdöl gekoppelt. Al-Mazroui gehört deshalb seit langem zu den Befürwortern einer Preisliberalisierung.

«Wir müssen grosse Reformen durchsetzen, die dazu führen, dass unsere Budgets nicht mehr alleine von den Öleinnahmen abhängig sind», sagte er. Der Bevölkerung möchte er dieses Vorhaben mit verschiedenen Ankündigungen schmackhaft machen: Es gebe künftig mehr Geld für Bildung, Infrastrukturen und Spitäler, versprach al-Mazroui.

«Chance für Reformen»

Der aktuell tiefe Ölpreis sei nicht haltbar, besonders für die Nichtmitgliedstaaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), die sechzig bis siebzig Prozent an die Produktion beitrügen. Al-Mazroui ist aber zuversichtlich, dass sich bis spätestens Anfang 2017 wieder ein «fairer Preis» einstellt.

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Der Leiter der Wirtschaftsförderung von Bahrain, Khalid al-Roumaihi, nannte den Einbruch des Erdölpreises ein «Glück im Unglück». So gebe es eine «Chance für Reformen», welche die Basis für die Wirtschaft der Golfstaaten verbreitern könnten. Saudi-Arabien, der weltweit grösste Erdölexporteur, hat bereits Massnahmen ergriffen. Das Land reduzierte die Subventionen auf Energieprodukten. Weitere Länder in der Region könnten bald folgen.

(sda/gku)