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Objektiv
Satelliten zeigen, wie es um Chinas Wirtschaft steht

Deep Bay zwischen Shenzhen und Hongkong: Analyse dank Satellitenbildern. Google Maps

Chinas offizielle Wirtschaftsdaten sind unter Investoren höchst umstritten. Das macht sich eine amerikanische Firma zunutze – und setzt bei ihrem Konjunkturindex auf Beobachtungen aus dem Weltall.

Von Gabriel Knupfer
am 29.03.2016

Wie steht es wirklich um Chinas Wirtschaft? Diese Frage interessiert nicht nur Volkswirtschaftler und Politiker brennend. Auch Hedgefonds und andere Investoren sind auf verlässliche Daten angewiesen. Eine amerikanischen Firma bietet seit neuestem einen originellen Ansatz, die ungeschminkte Realität zu sehen – dank Satellitenfotos aus dem Weltall.

Als die chinesischen Börsen 2015 auf Talfahrt gingen, warf dies auch grundsätzliche Fragen zur Zuverlässigkeit der Zahlen auf, mit denen die Investoren arbeiten müssen. Besonders im Fokus stand damals das Wirtschaftswachstum, das von der chinesischen Regierung berechnet wird. Doch auch für die Einkaufsmanagerindizes, die als wichtigste Frühindikatoren für die wirtschaftliche Aktivität gelten, suchte man eine objektive Ergänzung.

Satellite Manufacturing Index schafft Abhilfe

Mögliche Abhilfe schafft die kalifornische Firma Spaceknow. Der China Satellite Manufacturing Index (oder SMI) funktioniert wie ein Einkaufsmanagerindex, mit einer Skala von 0 bis 100. Notierungen unter 50 zeigen einen Rückgang der Geschäfte, während Werte über 50 Wachstum signalisieren. Der grosse Unterschied sei die Methodik, sagt Firmenchef Pavel Machalek.

Während für die Einkaufsmanagerindizes, wie der Name sagt, Einkaufsmanager befragt werden, setzt Spaceknow auf 2,2 Milliarden Satellitenbeobachtungen über einen Zeitraum von 14 Jahren. Lokalisiert werden dabei Veränderungen in chinesischen Industrieanlagen, etwa Anbauten oder sichtbare Inventuren. «Unser Index ist komplett objektiv und automatisiert und deckt Tausende Standorte in China ab», sagt der Machalek gegenüber der Wirtschaftsagentur Bloomberg.

Skepsis gegenüber offiziellen Zahlen

Am meisten Interesse gebe es von Hedgefonds, sagt Machalek. Diese sind auf möglichst genaue Informationen angewiesen und sehen die offiziellen Zahlen mit Skepsis. Tatsächlich liegen die Resultate des sogenannten SMI leicht unter dem offiziellen Index und damit im Bereich des Indikators des chinesischen Wirtschaftsmagazins Caixin, wobei die Ausschläge in beide Richtungen bei Caixin höher sind.

Insgesamt sind die Ergebnisse der Satelliten-Bildanalyse nicht sehr ermutigend. Im März stieg der SMI von 48,1 auf 48,2 Punkte und lag damit rückblickend den 16 Monate in Folge im negativen Bereich. Wie auch die Indikatoren von Caixin und anderen privaten Anbietern nahelegen, steckt Chinas Industrie in einer Wachstumsschwäche mit deflationären Tendenzen.

Indien ist als nächstes an der Reihe

Während der «unabhängige Blick auf Chinas Wirtschaftsanlagen» zur Zeit noch die wichtigste Anwendung für Spaceknow ist, plant Machalek bereits einen neuen Index für Indien. Auch dort fehlt es an verlässlichen offiziellen Zahlen für Investoren. Und auf den Geschmack der Satellitenanalyse gekommen ist inzwischen auch die Weltbank. Diese will künftig die Wirtschaftsleistung von armen Ländern aus dem Weltall überwachen.

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