Trotz Börsencrash und langsamerem Wachstum setzen Schweizer Firmen weiter auf China. 72 Prozent der im Land tätigen hiesigen Unternehmen wollen ihre Investitionen in diesem Jahr verstärken. Das zeigt eine neue Umfrage unter ausländischen und chinesischen Unternehmen, an der unter anderem die Schweizer Botschaft und das Swiss Center Shanghai (SCS) beteiligt waren.

Befragt wurden insgesamt 410 chinesische und 368 ausländische Firmen, darunter 62 aus der Schweiz. Und obwohl die Schweizer Ausfuhren nach China und Hongkong im Jahresvergleich um 6,6 zurückgegangen sind, rechnen fast alle Schweizer Manager in Fernost mit höheren Umsätzen im Reich der Mitte.

Sinkende Erzeugerpreise

Dieses Ergebnis sei nur auf den ersten Blick erstaunlich, sagt Nicolas Musy, Direktor des SCS. «Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, dass das langsamere relative Wachstum von einer höheren BIP-Basis ausgeht.» In absoluten Zahlen wachse China dennoch stärker als früher. Zusammen mit den niedrigen Erzeugerpreisen und der schrittweisen Eliminierung von Schweizer Importzöllen auf chinesische Produkte bleibe China für Investoren interessant, so das SCS.

In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden Waren im Wert von mehr als sieben Milliarden Franken nach China exportiert. «Damit bleibt China der drittwichtigste Markt für die Schweiz, hinter Deutschland und den USA», so Musy. Dies auch deshalb, weil die Ausfuhren im ersten Halbjahr in die meisten grossen Märkte zurückgegangen sind. Die Exporte in den wichtigsten Markt Deutschland sanken um 7,3 Prozent, die Ausfuhren nach Italien sogar um 9,2 Prozent.

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Automatisierung geht weiter

Ein grosser Vorteil für Schweizer Firmen in China sind die sinkenden Produktionskosten. Die Situation sei geradezu paradox, so Musy. «Obwohl die Lohnkosten um fünf bis zehn Prozent pro Jahr steigen, ging der Erzeugerpreisindex seit Mitte 2011 kontinuierlich zurück.» Laut SCS stehen die Erzeugerpreise inzwischen auf dem Level von vor sieben Jahren. Für viele Firmen ist dieser Vorteil offenbar wichtiger als die Probleme mit unsicheren Wachstumsprognosen und Turbulenzen an den chinesischen Börsen.

«Seit 2013 ist China der grösste Robotik-Markt der Welt», sagt Zhen Xiao vom SCS. «Es wird mit weniger Arbeitern mehr produziert». Das sind schöne Aussichten, zumal Chinas Anstrengungen auf dem Weg zu wachsender Automatisierung in Zukunft weitergehen werden. «Dieser Trend kann für eine lange Zeit anhalten: China hat 20 Mal weniger Roboter pro Arbeiter im Einsatz als zum Beispiel Südkorea», so Zhen Xiao.

«Grundlegend günstig»

Ob der Optimismus der Schweizer Unternehmen in China tatsächlich mehr ist als Wunschdenken, zeigt die Zukunft. In der Umfrage sind die Antworten von Schweizer und europäischen Unternehmen sowohl bei Umsätzen als auch bei Profiten sehr ähnlich und in den vergangenen drei Jahren wurden kontinuierlich profitablere Geschäfte verzeichnet.

Natürlich könne sich das Wachstum nicht unendlich beschleunigen, räumt auch Zhen Xiao ein. «Aber auch wenn die chinesische Entwicklung in Europa oft negativ gesehen wird, sind die Markt-Trends für Schweizer Firmen in China sowohl für den Verkauf als auch für den Einkauf grundlegend günstig.»