In Tokio hat der Taifun «Roke» mit Sturm und Starkregen dazu geführt, dass der Zugverkehr zum Erliegen kam, Zehntausende Pendler sassen auf Bahnhöfen fest. In Ost- und Zentraljapan wurden Hunderte von Flügen gestrichen, der Betrieb von Hochgeschwindigkeitszügen vorübergehend ausgesetzt und viele Autobahnen gesperrt.

Tausende Häuser und Strassen standen unter Wasser. In über 500'000 Haushalten im ganzen Land fiel laut Medien der Strom aus.

«Roke» war mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 160 Kilometern pro Stunde in der Nähe der Stadt Hamamatsu, rund 200 Kilometer westlich von Tokio, auf Land getroffen. Sechs Menschen kamen in dem Wirbelsturm ums Leben oder wurden vermisst, wie Medien und die Behörden berichteten.

Der Autohersteller Toyota beschloss vor Eintreffen des Taifuns aus Sorge um seine Mitarbeiter, die Arbeit in 11 seiner 15 Werke im Land zu unterbrechen. Die Maschinen sollen den ganzen Tag stillstehen.

Der Taifun stoppte auch die japanische Nutzfahrzeugproduktion von Daimler gestoppt. Der Stuttgarter Konzern baut in Kawasaki gemeinsam mit Mitsubishi Corp Lkw und Busse unter dem Namen Fuso. «Um die Sicherheit unserer Mitarbeiter zu gewährleisten, haben wir den Betrieb in Kawasaki vorübergehend eingestellt», sagte eine Konzernsprecherin. Es handele sich um eine reine Vorsichtsmassnahme. Der Konzern gehe davon aus, die Produktion am Donnerstag japanischer Ortszeit wieder aufnehmen zu können.

Arbeiten in Fukushima unterbrochen

Nach Angaben des Betreibers Tepco gab es am havarierten AKW Fukushima keine bedeutenden Schäden. Der Konzern hatte zvor bereits mitgeteilt, dass Arbeiten am AKW Fukushima-Daiichi unterbrochen worden seien. Die Region Fukushima war am 11. März von einem Mega-Erdbeben und einem Jahrhundert-Tsunami heimgesucht worden.

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Mehr als eine Million Menschen wurden nach Berichten japanischer Medien aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Es wurde befürchtet, dass ihre Häuser überschwemmt oder von Erdrutschen begraben werden könnten.

In Nagoya, rund 270 Kilometer westlich von Tokio, zeigten Fernsehbilder, wie Menschen durch knietiefes Wasser wateten. Einige Bewohner mussten mit Schlauchbooten aus ihren Häusern geholt werden.

Einige der Todesopfer wurden laut Medienberichten von angeschwollenen Flüssen fortgerissen. In der Industriestadt Nagoya fiel ein 66-Jähriger vom Dach eines Hauses, als er eine Dachrinne von Trümmerteilen befreien wollte. In der Provinz Saga wurde ein 71-Jähriger über Bord seines Fischerbootes gerissen, als er es bei den starken Stürmen festmachen wollte.

Bereits Anfang des Monats hatte ein anderer Taifun den Westen des fernöstlichen Inselreiches heimgesucht. Es gab mehr als 100 Tote und Vermisste.

(tno/kgh/rcv/sda/awp)