Warum siedelten sich die vier chinesischen Solarfirmen Trina Solar, Suntech, LDK Solar und Jinko Solar ausgerechnet in der Schweiz an und nicht im boomenden Deutschland?
 
Sonja Wollkopf Walt: Die Vorzüge der Schweiz und des Grossraums Zürichs sind ausgewiesen. Der Grossraum Zürich bietet ein ideal zugeschnittenes Umfeld für Unternehmen in der Präzisionstechnologie, wozu die Solartechnik zweifellos gehört. Wenn Unternehmen nach besonders stabilen wirtschaftlichen Verhältnissen und guten Rahmenbedingungen suchen, grossen Wert auf Rechtssicherheit legen und gleichzeitig professionelle Internationalität erwarten, drängt sich der Wirtschaftsraum Greater Zurich Area geradezu auf. Und chinesische Firmen schätzen es, dass die Schweiz mit ihrer zurückhaltenden Subventionspolitik in Krisenzeiten ein stabileres Umfeld bietet.
 
Die Greater Zurich Area war bei der Ansiedlung mitbeteiligt. Ist es nun Ihr Ziel, weitere chinesische Firmen in den Grossraum Zürich zu locken?
Die strategische Neupositionierung der Greater Zurich Area im Jahr 2011 hat klar gezeigt, dass wir in China grosse Akquisitionschancen haben und stärker auftreten müssen. 2012 werden wir daher unser China-Team mit einem zweiten Mitarbeiter aufstocken. Für die Schweiz ist China nach der EU und den USA der drittwichtigste Exportmarkt geworden (2010: 7,5 Milliarden Franken) und zugleich das drittwichtigste Herkunftsland für Schweizer Importe (2010: 6,1 Milliarden Franken). Die chinesische Wirtschaft wächst weiter und Teile des chinesischen Produktionssektors werden immer hochwertiger und damit exportorientierter. Chinesische Unternehmen richten ihren Blick deshalb zunehmend auf den Europäischen Markt – und damit auch auf den Hauptsitzstandort Greater Zurich Area. Die Präsenz in Europa steht für viele chinesische Unternehmen ganz oben auf der Liste, daher engagieren wir uns entsprechend in China.

Der Konkurrenzkampf um chinesische Unternehmen ist in Europa riesig. Welches sind Ihre Trümpfe?
China und die Schweiz sind zwar Welten auseinander, was die Grösse des Marktes betrifft. Mentalitätsmässig gibt es aber Parallelen. Schweizer wie Chinesen suchen langfristige Geschäftspartner. Kurzfristige Gewinnmaximierungen sind den Chinesen suspekt. Einmal bekannt, finden die Standortfaktoren des Wirtschaftsraums Zürich grossen Anklang. Der „Sinosolar“-Cluster in der Greater Zurich Area stellt ein wichtiges Standbein unserer Anstrengungen dar – auch wenn mittlerweile von einem Konsolidierungsprozess der Solar-Branche ausgegangen werden muss.

Welche weiteren Branchen werden nebst der Solarindustrie demnächst in der Schweiz und namentlich im Grossraum Zürich anzutreffen sein?
Die zentrale Zielgruppe in China sind die Präzisionstechnologie-Unternehmen aus den Bereichen Industrie- und Consumer-Elektronik, Medizinaltechnologie und Cleantech. Die Greater Zurich Area ist auch für Expansionsprojekte von bereits irgendwo in Europa angesiedelten chinesischen Unternehmen sehr attraktiv. Dies zeigt beispielsweise die innerschweizerische Expansion des Grosskonzerns Huawei Technologies nach Zürich-Oerlikon im Juni 2011. Huawei hat damit seine Schweizer Präsenz verstärkt.

Haben Sie schon konkrete Dossiers auf dem Pult?
Standortmarketing ist ein rollender Prozess.  In der Vorbereitungsphase und während der gemeinsamen Evaluationsarbeiten wäre es unüblich, entsprechende Firmennamen publik zu machen. Doch wir informieren laufend über erfolgte Ansiedlungen.

Anzeige