Die Aussichten auf zusätzliches Öl aus dem Iran haben die Ölpreise unter Druck gesetzt. Präsident Barack Obama hatte am Vorabend eine mögliche Blockade des umstrittenen Iran-Atomabkommens im US-Senat verhindern können.

Dass das Abkommen jetzt noch gekippt wird, gilt als sehr unwahrscheinlich. Was Obama freut, bereitet den Anlegern Kopfschmerzen: Denn jetzt könnte es am ohnehin schon gebeutelten Ölmarkt weiter bergab gehen.

Iran könnte wieder Öl verkaufen

Der Grund ist einfach: Mit dem Abkommen verpflichtet sich der Iran dazu, sein Atomprogramm zurückzufahren und Kontrollen zuzulassen. Im Gegenzug sollen Sanktionen gegen den Iran fallen, die bislang Ölexporte aus dem Land verhindert haben. Das Ölangebot könnte also künftig weiter steigen. «Wie es mit dem Iran weitergeht, ist ein Schlüsselfaktor für den Ölmarkt», sagte Ric Spooner, Analyst beim Finanzdienstleister CMC Markets in Sydney.

Das Spooners Einschätzung nicht von der Hand zu weisen ist, zeigte sich am Freitag, als die Ölpreise nachgaben. Am Morgen kostete ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 48,16 Dollar. Das waren 73 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 77 Cent auf 45,15 Dollar.

Kein Grund zur Panik

Allerdings gibt es keinen Grund zur Panik, denn der Preisrückgang vom Freitag ist nicht aussergewöhnlich: Seit Wochen schwanken die Ölpreise sehr stark. Insgesamt befinden sie sich auf sehr niedrigem Niveau. Ein massives Überangebot und sinkende Nachfrage aufgrund einer schwächelnden Weltwirtschaft machen den Preisen zu schaffen. Der Iran ist in diesem Umfeld nur ein Puzzleteil, das den Ölpreis erklärt; wenn auch ein wichtiges.

Darüber, wie stark sich ein Streichen der Iran-Sanktionen tatsächlich auswirken würde, zerbrechen sich Analysten die Köpfe: So ist umstritten, wie die deutlich Ölexporte aus dem Iran steigen würden. Schätzungen schwankten zwischen 500 000 und einer Million Fass täglich, sagt Fabien Weber, Fondsmanager des JB Commodities Fund. Klar sei aber: «Die Höhe der Fördermenge, die Iran nach dem Ende der Sanktionen auf den Markt bringen wird, dürfte ein Haupttreiber für die Ölpreisentwicklung im kommenden Jahr sein.»

Ölflut unwahrscheinlich

Auch über das Tempo eines möglichen Anstiegs der Ölexporte aus dem Iran machen sich Fachleute Gedanken. Nur die wenigsten Experten gehen davon aus, dass Iran rasch grosse Produktionsmengen exportieren kann, da die erforderlichen Transportkapazitäten erst aufzubauen seien. Eine iranische Ölflut erscheint deswegen unwahrscheinlich, eher dürfte es sich um einen langsam anwachsenden Zustrom handeln.

Zudem gilt: Auch wenn das Abkommen in Kraft ist, fallen die Sanktionen nicht automatisch. Ihre Aufhebung ist an Bedingungen geknüpft. Erst Ende des Jahres wird sich nach derzeitiger Planung entscheiden, ob die Sanktionen bezüglich des Öls tatsächlich gelockert werden können.

(awp/mbü/chb)