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Ausblick: Das bringt 2015 der Schweizer Wirtschaft

 

In einer fünfteiligen Serie gibt handelszeitung.ch einen wirtschaftlichen Ausblick auf das Jahr 2015. Folge eins: Konjunktur. Warum die Schweizer Firmen und Konsumenten positiv überraschen könnten.

Von Mathias Ohanian
am 11.12.2014

So mancher Schweizer Unternehmer warnte schon zur Jahresmitte, die Wirtschaftssanktionen gegen Russlands Elite könnten zu einem schmerzhaften Eigentor werden. Bestätigen mochten sich diese Kassandrarufe bislang nicht. Im Gegenteil: Die meisten Ökonomen staunten nicht schlecht, als für das Herbstquartal kürzlich ein Wachstum von 0,6 Prozent gemeldet wurde. Gegenüber dem Vorjahr steht damit ein Plus von 1,9 Prozent.

Doch wie geht es weiter? Kann die Schweiz dieses Expansionstempo halten? Und was bringt 2015 für die hiesige Wirtschaft? Fakt ist: Als kleine, offene Ökonomie ist die Schweiz zu einem hohen Masse abhängig vom Auf und Ab im Ausland. Und hier zeichnet sich zunächst ein gemischtes Bild.

US-Wirtschaft obenauf – davon profitiert die Schweiz

Nach der Finanzkrise war China der wichtigste Wachstumstreiber der Weltwirtschaft. Doch die Industrie expandiert nur noch schwach. Die Wirtschaft scheint noch immer auf Unterstützung der Regierung angewiesen zu sein. Besser läuft es da schon in der grössten Volkwirtschaft der Welt: Der amerikanische Arbeitsmarkt läuft wieder. So mancher Beobachter sieht die US-Ökonomie im kommenden Jahr um bis zu 3,5 Prozent wachsen – kommt es tatsächlich so, es wäre stärkste Plus seit zehn Jahren. Und gut für die Schweiz, denn die US-Wirtschaft ist das zweitwichtigste Abnehmerland von Swissmade-Produkten.

Ein grosses Fragezeichen jedoch schwebt noch immer über den direkten Nachbarn. Besondere Sorge gilt der Euro-Zone – allen voran Frankreich und Italien, ebenfalls sehr wichtige Handelspartner der Schweiz. Zwar geht es für die Wirtschaft des Währungsraums allmählich wieder bergauf. Doch wohl zu schwach, um der Schweizer Konjunktur einen kräftigen Schub zu verleihen. Darin sind sich alle von handelszeitung.ch befragten Wirtschaftsexperten einig. «Die Schweiz kann sich der enttäuschenden Entwicklung nicht gänzlich entziehen», sagt Christoph Schenk, Investmentchef bei der Zürcher Kantonalbank.

Positives Umfeld hat weiter Bestand

Er veranschlagt ein gesamtwirtschaftliches Plus von vergleichsweise mageren 1,5 Prozent in kommenden Jahr. Mit einem solchen Wachstum rechnen auch die Ökonomen der Bantleon Bank. Die Rahmenbedingungen präsentierten sich weniger günstig als in den Vorjahren, sagt Harald Preissler, Chefökonom und Leiter Anlagemanagement beim Zuger Anleiheinvestor. Das ist auch ein Hemmschuh für mögliche Investitionen in der Schweiz, die zuletzt ohnehin recht mager ausfielen.

Unterm Strich profitiert die Schweizer Wirtschaft indes noch immer von niedrigen Zinsen, der hohen Zuwanderung sowie einem boomenden Immobilienmarkt. Und aller Gefahren zum Trotz hat dieses Umfeld weiter Bestand. Entsprechend bleibt die Schweiz ein wirtschaftlicher Lichtblick in Europa. So sind denn auch andere Fachleute auf dem Papier etwas optimistischer. Die Schweizerische Nationalbank etwa prognostiziert ein BIP-Wachstum von zwei Prozent im kommenden Jahr. Positiv: Kaum ein Experte erwartet eine Verschlechterung am Arbeitsmarkt, im Gegenteil: Die Beschäftigung könnte leicht zunehmen.

Gesunkener Ölpreis wirkt wie Konjunkturspritze

Womöglich ist am Ende sogar noch mehr drin: Denn der in den vergangenen Wochen rasant um fast 40 Prozent gefallene Ölpreis könnte Schweizer Konsumenten Raum lassen für zusätzliche Ausgaben andernorts. Dies käme einem direkten zusätzlichen Wachstumsschub sowohl für die globale als auch die Schweizer Wirtschaft gleich. 

Lesen Sie am Montag an dieser Stelle, wie es mit der Schweizer Börse 2015 weitergeht. Im Rahmen der fünfteiligen Serie von handelszeitung.ch zum Ausblick auf das kommende Jahr folgen die Themen Ölmarkt, Gold und Schweizer Zinsen.

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