Die Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen Autokonzerne, die im Nachbarland Mexiko investieren, zeigen offenbar Wirkung. Die Investitionen von 16 grossen Autobauern in Mexiko stürzten auf praktisch null ab, während die USA im Vergleich zu anderen Ländern zulegen konnten. Das geht aus einer Analyse des Beratungsunternehmens EY hervor.

Demnach lagen die Investitionen der untersuchten Unternehmen in Mexiko im vergangenen Jahr nur noch bei rund 100 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es noch 4,9 Milliarden Euro gewesen. Im ersten Monat des laufenden Jahres stellten die Berater überhaupt keine Investitionen mehr in das mittelamerikanische Land fest.

Auf der Suche nach neuen Partnern

Aufgrund der Drohungen von Donald Trump mit Strafzöllen versucht Mexiko, den Handel mit anderen Staaten auszubauen. Die Regierung strebt noch in diesem Jahr eine Reform des Handelsabkommens mit Europa an. Auch mit der Schweiz vertieft das Land seine Zusammenarbeit.

Die USA konnten hingegen im vergangenen Jahr getätigte und angekündigte Investitionen in Höhe von 6,3 Milliarden Euro verzeichnen. Zwar lag auch dieser Wert deutlich unter dem des Vorjahres, als noch 13,5 Milliarden Euro in den Vereinigten Staaten investiert wurden. Allerdings fiel der Einbruch in den USA deutlich geringer aus als in anderen Ländern. Bereits im ersten Monat 2017 konnten die Amerikaner zudem wieder 1,7 Milliarden Euro verbuchen.

USA ziehen am meisten Investitionen an

Die USA kletterten damit auf Platz eins der Länder, in die die untersuchten Autobauer am meisten Geld stecken. Betrachtet man den Zeitraum zwischen 2010 und 2015, lag China noch ganz vorne in der Rangliste mit insgesamt 24,3 Milliarden Euro. Die USA kamen im gleichen Zeitraum nur auf 23,2 Milliarden Euro. Auf Platz drei folgt Deutschland mit 21,8 Milliarden Euro.

Anzeige

Betrachtet man hingegen nur das vergangene Jahr, schafft es Deutschland mit 1,3 Milliarden Euro zwar auch auf den dritten Rang. Allerdings lagen die Investitionen im Jahr zuvor mit 12,3 Milliarden noch fast zehn Mal so hoch. Damit folgt Deutschland dem globalen Trend: Insgesamt brachen die weltweiten Investitionen der 16 untersuchten Autobauer drastisch ein. Sie fielen von 52,5 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf nur noch 16,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Das deutet auf grosse Unsicherheit in der Branche hin.

«Auf Sicht fahren»

Eine der Ursachen für den Einbruch sieht EY-Autoexperte Peter Fuss in den politischen Umbrüchen wie dem Brexit und der Trump-Wahl. «Die Situation ist zurzeit so unübersichtlich, dass Unternehmen gut beraten sind, sich alle Optionen offenzuhalten», sagte der Autor der Studie. «Jetzt heisst es: Auf Sicht fahren, die Flexibilität und Belastbarkeit der eigenen Lieferketten und Organisation verbessern und unnötige Festlegungen auf Standorte und Technologien vermeiden.»

Denn durch den Wandel bei der Antriebstechnologie vom Verbrennungs- zum Elektromotor kommen weitere Unsicherheiten für die Branche hinzu. «In den kommenden Jahren wird es weniger um den Aufbau von Produktionskapazitäten in traditionellen Bereichen wie der Motor- oder Getriebefertigung gehen als vielmehr um die Entwicklung neuer Technologien und Geschäftsmodelle», erklärt Fuss. Zudem müssten die in den vergangenen Jahren angekündigten und begonnenen Investitionen zunächst umgesetzt werden.

In Mexiko entstanden am meisten Jobs

Auch bei der Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze zeigt sich der Trump-Effekt. Nimmt man die Jahre 2010 bis 2015 zusammen, liegt Mexiko mit grossem Abstand auf Platz eins dieser Rangliste mit fast 44’400 neuen Jobs. Dahinter folgen China, die USA und Brasilien.

Deutschland folgte auf Rang fünf. Betrachtet man jedoch nur das vergangene Jahr, kamen in den USA mehr als 4000 neue Arbeitsplätze hinzu, Mexiko schaffte nur ein Plus von 400. Deutschland landete direkt hinter den USA mit 2600 neuen Jobs.

Dieser Text erschien zuerst bei unserem Schwesterblatt «Die Welt» unter dem Namen «So stark wirkt der Trump-Effekt in der Autobranche».