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Bank of England stellt Anleihekäufe vorerst ein

Der geldpolitische Ausschuss der Bank of England beschloss, zunächst keine weiteren Anleihekäufe zu tätigen. (Bild: Keystone)

Die Bank of England hält ihr Pulver trocken und verlängert ihr kürzlich ausgelaufenes Anleihekaufprogramm vorerst nicht. Auch der Leitzins bleibt unverändert.

Veröffentlicht am 08.11.2012

Die britische Notenbank hat ihr unlängst ausgelaufenes Anleihekaufprogramm nicht verlängert. Der geldpolitische Ausschuss der Bank of England beschloss, zunächst keine weiteren Anleihekäufe zu tätigen, wie die Notenbank in London mitteilte.

Die meisten Volkswirte hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Auch am Leitzins änderte die Notenbank nichts. Er liegt seit mittlerweile dreieinhalb Jahren auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Das britische Pfund reagierte auf die Entscheidungen mit Kursgewinnen zu Euro und US-Dollar.

Ob die geldpolitische Lockerung über Anleihekäufe damit dauerhaft beendet ist, gilt indes als fraglich. Bankvolkswirte verwiesen auf die nach wie vor fragile Konjunktur Grossbritanniens. Die Wirtschaft Grossbritanniens ist im dritten Quartal zwar erstmals seit Ende 2011 wieder gewachsen.

Allerdings wurde die Entwicklung durch die Olympischen Sommerspiele in London begünstigt. Beobachter schliessen deshalb nicht aus, dass die britische Wirtschaft im Schlussquartal 2012 in die Rezession zurückfällt. Zumal jüngste Frühindikatoren schwach ausgefallen waren. Insbesondere die Lage in der Industrie und die Verbraucherstimmung sind schlecht.

Notenbank könnte nachlegen

«Die Wirtschaft braucht den Anschub», schreibt Ökonom Robert Wood von der Berenberg-Bank in einer Studie. Bei der jüngsten Sitzung der Notenbanker hätten zwar Bedenken dominiert, die Wirkung der expansiven Massnahmen könnte an ihre Grenzen geraten. Entsprechend hatte sich unlängst Notenbankchef Mervyn King geäussert. «Wir glauben jedoch nicht, dass diese Entscheidung das Ende der Lockerung markiert», schreibt Wood. Die Bank of England könnte im nächsten Jahr nachlegen.

Die Bank of England hat seit März 2009 Staatsanleihen im Wert von insgesamt 375 Milliarden Pfund erworben. Das entspricht etwa 25 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Grossbritanniens. Das Volumen der jüngsten Aufstockung vom Juli, als die Käufe um 50 Milliarden Pfund ausgeweitet wurden, ist mittlerweile ausgeschöpft.

Im Sommer hatte die Notenbank ein Programm aufgelegt, mit dem die Kreditvergabe der Geschäftsbanken angeschoben werden soll. Von diesem Programm (Funding for Lending Scheme) erhofft sich die Bank of England zusehends positive Effekte.

(aho/rcv/awp)

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