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Geldpolitik
Banken knausern mit Krediten im Euro-Raum

Mario Draghi: Der EZB-Chef drängt auf eine expansive Geldpolitik.  Keystone

Die Geldmenge wächst, die Zinsen sind tief. Die Europäische Zentralbank will die Ausleihpraxis der Banken beflügeln. Effektiv bleibt die Kreditvergabe aber rückläufig.

Veröffentlicht am 25.09.2014

Neue Daten zur Geld- und Kreditentwicklung im Euro-Raum deuten auf eine langsame Verbesserung hin. Im August lag die breitgefasste Geldmenge M3 nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Donnerstag 2,0 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Dies ist das stärkste Wachstum seit fast einem Jahr. Die Markterwartungen von plus 1,9 Prozent wurden leicht übertroffen.

In den drei Monaten bis August erhöhte sich M3 wie erwartet im Schnitt um 1,8 Prozent. Der Wert liegt spürbar höher als das Wachstum von 1,5 Prozent, das im Dreimonatszeitraum bis Juli erzielt wurde. Die enger gefasste Geldmenge M1 wuchs um 5,8 Prozent, nach 5,6 Prozent im Juli.

Banken vergeben weniger Kredit

Die Kreditvergabe der Banken, die der EZB schon seit langem Sorge bereitet, bleibt zwar rückläufig. Allerdings schwächt sich der Sinkflug ab. Nach einem Rückgang von 1,8 und 1,6 Prozent im Juni und Juli fiel die Darlehensvergabe im August zum Vorjahr um 1,5 Prozent.

Die sehr zurückhaltende Ausleihungspraxis insbesondere südeuropäischer Banken ist ein Grund für die lockere Geldpolitik der EZB. Zahlreiche Instrumente zielen darauf ab, die Kreditvergabe zu stärken. Darunter fallen auch die im Oktober beginnenden Käufe von Verbriefungen (ABS) und Pfandbriefen (Covered Bonds).

Schäuble rät zur Vorsicht

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht den Kauf von Verbriefungsprodukten durch die Europäische Zentralbank (EZB) skeptisch. Es sei nicht ganz unproblematisch die geldpolitische Verantwortung und auch die Bankenaufsicht in einer Institution wie der EZB zu haben, sagte Schäuble am Donnerstag im Bundestag. Deshalb sei es ganz wichtig, beim Aufbau der Bankenaufsicht innerhalb oder bei der EZB die beiden Verantwortungsbereiche so «strikt wie möglich» zu trennen, um auch nur den Anschein möglicher Interessenkonflikte zu vermeiden.

«Auch vor diesem Hintergrund bin ich über die derzeitige von der EZB begonnenen Debatte über den etwaigen Ankauf von Verbriefungsprodukten nicht besonders glücklich, weil genau dieses die Diskussion bestärken könnte.» Dies sollte man «vorsichtig bedenken», sagte Schäuble.

Der Minister erinnerte auch daran, dass die Euro-Partner Vorgaben etwa des Stabilitätspaktes einhalten sollten. «Die Mitgliedstaaten sollten sich an Verabredungen halten. Dann hätten wird weniger Probleme in Europa», betonte Schäuble. «Daran darf man vor dem aktuellen Hintergrund einmal erinnern.»

(reuters/awp/ise/ama)

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