1. Home
  2. Konjunktur
  3. Bankenkrise «reloaded»: Der Staat als Notretter

Bankenkrise «reloaded»: Der Staat als Notretter

Dexia (im Bild: CEO Pierre Mariani und VR-Präsident Jean-Luc Dehaene) erhält Milliarden vom belgischen Staat. (Bild: Keystone)

In Europa müssen drei Jahre nach der Finanzmarktkrise wieder Banken gerettet werden. Zudem wurde der für nächste Woche geplante EU-Gipfel verschoben. Erst Ende Oktober wollen Deutschland und Frankrei

Veröffentlicht am 10.10.2011

Für die Grossbank Dexia wurde in der Nacht zum Montag eine Lösung gefunden: Belgien übernimmt den belgischen Arm der Bank für 4 Milliarden Euro komplett. Zudem werden Belgien, Frankreich und Luxemburg gemeinsam weitere 90 Mrd. Euro als Garantien für Risikopapiere stellen, die in eine sogenannte Bad Bank ausgelagert werden.

Dexia hatte sich mit Investitionen in Griechenland übernommen und war ins Taumeln geraten. Schon 2008 musste der Staat der Bank helfen. In den vergangenen Tagen zogen verunsicherte Kunden massenweise Spargelder ab.

Das Geldhaus spielt eine bedeutende Rolle als langfristiger Finanzier französischer Kommunen. Dieser Bereich soll abgespalten und von der französischen Staatsbank Caisse des Depots und der Postbank Banque Postale aufgefangen werden. Für den luxemburgischen Arm und die türkische Tochter Deniz-Bank werden noch Käufer gesucht.

Warten auf Berlin und Paris: EU-Gipfel verschoben

Angesichts der neuen Bankenkrise und laufender Beratungen wurde der für Mitte Oktober geplante EU-Herbstgipfel um knapp eine Woche nach hinten verschoben. Das Treffen finde nun am 23. Oktober zeitgleich mit dem Gipfel der 17 Euro-Länder-Chefs statt, teilte EU-Gipfelchef Herman Van Rompuy in Brüssel mit.

In Athen teilte das Finanzministerium am Montag mit, dass bei der Protonbank die griechische Notenbank einspringen werde. Das Geldhaus mit rund 700 Angestellten war ins Wanken geraten, nachdem die Justiz des Landes Informationen nachging, die Bank betreibe Geldwäsche. Jetzt soll die Notenbank Gelder vom 2010 geschaffenen Rettungsschirm in Höhe von 110 Mrd. Euro anzapfen, um dem Haus zu helfen.

Am Wochenende hatten sich Hinweise auf eine radikale Umschuldung Griechenlands verdichtet.

Slowakei als Spielverderber

In der Slowakei droht der Erweiterung des Euro-Rettungsschirms ein Nein und der Regierung das vorzeitige Ende. Eine als letzte vor der Parlamentsabstimmung am Dienstag geplante Krisensitzung des Koalitionsrates der vier Regierungsparteien ging am Montagabend ohne Einigung zu Ende.

«Es gibt Momente, die sehr schwierig sind», sagte die vollkommen niedergeschlagen wirkende Premierministerin Iveta Radicova in einer kurzen Presseerklärung, zu der ungewöhnlicherweise keine Journalistenfragen zugelassen wurden. Am Dienstag würden aber die Parteichefs der vier Koalitionsparteien nochmals im Regierungsamt zusammentreffen, kündigte sie an. Ohne Zustimmung der Slowakei können auch die 16 anderen Euro-Länder die Erweiterung des EFSF nicht umsetzen.

(vst/sda)

Anzeige