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Studie
Bankenplatz Zürich hart bedrängt

Baustelle am Paradeplatz: Der Strukturwandel in Zürich ist in vollem Gange.   Keystone

Der Finanzsektor in Zürich hat sich noch nicht von der globalen Krise erholt. Trotzdem bleibt die Branche für die Region absolut zentral. Doch der Wandel am Finanzplatz braucht viel Zeit.

Von Gabriel Knupfer
am 13.01.2015

Der Finanzplatz Zürich erholt sich nur sehr langsam von der Finanz- und Schuldenkrise. «Wir haben noch einen weiten Weg vor uns», bestätigt etwa Thomas Ulrich, Präsident des Zürcher Bankenverbandes. Die Phase des grundlegenden Strukturwandels in der Branche dürfte noch mehrere Jahre andauern, schätzt der UBS-Mann an der Präsentation der Bak-Basel-Studie «Finanzplatz Zürich 2014/2015».

Dabei ist völlig klar: Der Finanzplatz und insbesondere die Banken sind für Zürich weiterhin von herausragender Bedeutung. Das zeigte nur schon das Aufgebot an der Medienkonferenz. Neben Vertretern von Bak Basel und Thomas Ulrich waren auch Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch und Regierungsrat Ernst Stocker zugegen, um über den Wandel und die Zukunft des Bankenplatzes Auskunft zu geben.

Jeder zehnte Arbeitsplatz und jeder fünfte erwirtschaftete Franken

Zürich gehört laut Studie nach wie vor zu den fünf wichtigsten Standorten der Finanzindustrie. Jeder zehnte Arbeitsplatz und jeder fünfte erwirtschaftete Franken im Kanton stamme aus dem Finanzsektor, sagte Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker. Trotz der «Krisen- und Schütteljahre» hätten die Banken damit «nach wie vor enorme Bedeutung», so Stocker.

«Der Finanzsektor ist weiterhin die wichtigste Branche der Zürcher Wirtschaft», heisst es im Bericht. Im Jahr 2013 erwirtschaftete er eine Bruttowertschöpfung von 28 Milliarden Franken und stellte neben der regionalen Bedeutung auch fast die Hälfte des Schweizer Finanzsektors. Im Zeitraum von 2000 bis 2013 hat sich das Bild indes eingetrübt. Die Region Zürich wurde besonders hart getroffen und wuchs in diesen Jahren nur noch durchschnittlich 1,1 Prozent pro Jahr.

London und Luxemburg wachsen schneller

Die Finanzplätze London (plus 1,8 Prozent im Jahr) und Luxemburg (plus 1,7 Prozent) wuchsen zuletzt schneller als Zürich. Doch nun gebe es Anzeichen einer Erholung, sagen die Verfasser der Studie. Zum einen erwarten die Experten in den Jahren 2015 und 2016 eine leicht anziehende globale Konjunktur, womit auch die Nachfrage nach Finanzdienstleistungen steigen dürfte. Und zum anderen ist der Strukturwandel in der Branche in vollem Gange, die Banken werden fitgemacht für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

«Die hohen Verluste aus der Finanzkrise können nur nach und nach ausgeglichen werden», sagt Martin Eichler von Bak Basel. «Aber wir erwarten eine Entwicklung hin zu einem bedeutenden Wachstumsbeitrag der Banken.»

Technologischer Fortschritt und verändertes Kundenverhalten

Der starke Wandel in der Branche sei älter als die Krise und dürfte noch einige Jahre andauern, schreibt Bak Basel. Der technologische Fortschritt, sowie ein verändertes Kundenverhalten und geopolitsche Verschiebungen hätten den  Wettbewerb in der Bankenbranche verstärkt. Mit der Krise seien die Margen der Banken zusätzlich unter Druck geraten. Der jetzige Umbau hin zu einer «Industrialisierung» und «Fokussierung» im Sinne einer Aufspaltung der Wertschöpfungskette, wäre auch ohne die Krise nötig geworden, so die Experten.

Doch was bedeutet der Wandel für die Region Zürich? Führt die verstärkte Spezialisierung nicht zu Outsourcing und einer Schrumpfung des Finanzplatzes? Bak Basel glaubt nicht an dieses Szenario. Die geografischen Verschiebungen blieben grösstenteils auf den Raum Zürich selbst beschränkt, heisst es in der Studie. Dazu gezählt werden indes auch die Kantone Zug und Schwyz, wo sich gerade die Vermögensverwaltung etabliert hat.

Investitionen in Kultur und Infrastruktur

Corine Mauch bekräftigt, dass die Stadt weiterhin zum Finanzplatz stehe. «Der Bankenplatz soll solide, transparent und wettbewerbsfähig bleiben», sagt die Zürcher Stadtpräsidentin. Und sie sei überzeugt, «dass unsere Banken gute Karten haben im schärfer werdenden globalen Wettbewerb».

Wichtig seien dabei aus Sicht der Stadt insbesondere Investitionen in Kultur und Infrastruktur. «So können wir die Qualität des Standorts erhöhen», sagt Mauch. Dass sich beispielsweise ein Unternehmen wie Google in Zürich niedergelassen habe, bestätige, dass man auf dem richtigen Weg sei.

Verlorenes Vertrauen zurückgewinnen

Positiv ist auch der Ausblick von Bak Basel. Das grosse Know-how und die Beratungsqualität würden auch in Zukunft für Zürich sprechen, sagt Martin Eichler. Zurücklehnen könne man sich deswegen aber nicht. Durch die Finanzkrise und die Verfehlungen von einzelnen Banken habe das Vertrauen der Bevölkerung gelitten.

Vertrauen zurückzugewinnen sei das höchste Ziel, sagt Thomas Ulrich vom Zürcher Bankenverband. Für die Branche sei inzwischen klar, dass Geschäftsmodelle und Unternehmenskulturen einer grundlegenden Überarbeitung bedürften. «Die Banken müssen ihre Hausaufgaben machen.» Gut fürs Image wäre sicher auch, wenn die Grossbanken wieder Gewinnsteuern zahlen würden, ergänzt Regierungsrat Stocker.

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