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Zentralbanken
Basler Sturmläuten zur Weltwirtschaft

Alarm: Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sieht ein Unwetter aufziehen.   Keystone

Die Bank aller Zentralbanken, die BIZ in Basel, schlägt in ihrem neusten Bericht zur Weltwirtschaft Alarm. Sie erwartet turbulente Zeiten. Das sind die fünf grössten Warnsignale.

Von Christian Bütikofer
am 07.03.2016

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) läutet in ihrem Quartalsbericht die Alarmglocken (siehe Downloads). Die Bank aller Zentralbanken sieht ein turbulentes Jahr auf die Weltwirtschaft zukommen.

Der Einbruch der Börsen Anfang dieses Jahr, dann der Einbruch vieler Bankaktien im Februar sieht die BIZ als Vorboten eines kommenden Sturmes. Diese Punkte beunruhigen die BIZ-Analysten am meisten:

1. Aufschläge auf Hochzinsanleihen

Hochrentierende Schuldtitel stehen wegen anhaltenden Turbulenzen im Energiesektor unter Druck. Steile Anstiege der Renditeaufschläge sind ein Frühindikator für Rezessionen: So begannen die sogenannten Spreads auf Hochzinsanleihen im Technologiesektor Anfang 2000 zu steigen, kurz bevor die Dotcom-Blase platzte. Auch die entsprechenden Aufschläge im Finanzsektor zogen 2007 im Vorfeld der Grossen Finanzkrise an.

2. Negativzinsen und Banken-Rentabilität

Die BIZ hält fest, dass wegen den Negativzinsen bisher keine Flucht ins Bargeld festzustellen ist. Auch hätte sich die Massnahme nicht am Retail-Markt ausgewirkt, weil die Geschäftsbanken Kleinkunden bisher von Negativzinsen verschonten.

Doch das hat Folgen für die Banken. Ihre Zurückhaltung, negative Zinsen an die Einleger weiterzugeben, trägt zur Erosion des Nettozinsertrags bei. Gleichzeitig sehen sich die Marktteilnehmer aufgrund von Bedenken über die künftigen Erträge der Banken dazu veranlasst, die wahrscheinlichen Auswirkungen einer längeren Phase negativer Zinsen auf die Rentabilität von Banken besonders zu berücksichtigen.

Dadurch geraten die Aktien und Anleihen von grossen internationalen Banken unter Druck, weil Anleger befürchten, sie könnten nicht nur Dividendenausschüttungen abklemmen, sondern auch Zahlungen auf spezielle Papiere wie Cocos-Anleihen (langfristige, nachrangige Schuldverschreibungen mit meist festem Zins) aussetzen.

3. Flucht in sichere Anlagen

Weltweit werden massenweise risikoreiche Vermögenswerte abgestossen - es kommt zu einer allgemeinen Flucht in sichere Anlagen, was den US-Dollar stärkt. Die Währungen aufstrebender Volkswirtschaften und rohstoffexportierender Länder verzeichnen neue Tiefstände. Chinas Währungsreserven gingen um mehr als 300 Milliarden Dollar zurück – mit zunehmendem Tempo. Durch das Zusammenwirken tieferer Ölpreise und eines stärkeren US-Dollars geraten viele aufstrebende Volkswirtschaften weiter unter Druck, warnt die BIZ.

4. Anleihen werden zunehmend wertlos

Die Märkte preisen wegen den negativen Leitzinsen weitere Lockerungsmassnahmen ein. Innerhalb weniger Tage stieg der Umfang von Staatsanleihen mit negativen Renditen von 4 Billionen auf mehr als 6,5 Billionen US-Dollar. Anfang Februar 2016 wurde fast ein Viertel des ausstehenden Bestands an Staatsanleihen gemäss Staatsanleihenindex von Merrill Lynch zu negativen Renditen gehandelt.

Als sich der Umfang von Anleihen mit negativen Renditen ausdehnte, wurden sich die Märkte zunehmend der neuen Zwänge und Zielkonflikte bewusst, die die geldpolitischen Optionen einschränken könnten. Denn laut den Vorschriften des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten der Europäischen Zentralbank (EZB) sind solche Wertpapiere für künftige Ankäufe durch die EZB nicht zulässig. Sollte die Palette der zulässigen Wertpapiere aufgrund der Preisdynamik noch weiter schrumpfen, würde das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten an Reichweite verlieren.

Es sei denn, der Einlagenzinssatz würde noch weiter in den negativen Bereich gedrückt, wodurch wiederum die künftige Nettozinsmarge der Banken im Euroraum geschmälert würde.

5. Ratlose Zentralbanken

Den Zentralbanken drohen effektive geldpolitische Optionen auszugehen. Die Märkte verschieben ihre Erwartungen an die Fed, die schrittweise Normalisierung fortzusetzen, weiter in die Zukunft. Und weil die Bank of Japan und die EZB Bereitschaft signalisierten, ihre Geldpolitik weiter zu lockern, steigen an den Märkten die Bedenken über die unbeabsichtigten Folgen negativer Leitzinsen.

Die Märkte blickten zunehmend skeptisch auf das Sicherheitsnetz, von dem die Bewertungen von Vermögenswerten jahrelang profitiert hatten. Da die Zentralbanken nach der Krise für andere politische Akteure in die Bresche sprangen und mehr und mehr aufgebürdet bekommen, wird ihre Aufgabe immer schwieriger, wenn gar unmöglich zu bewältigen.

 

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