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Sicheres Geld
Basler Uniprofessor fordert Alternative zum Vollgeld

Härteste Währung der Welt: Schweizer Franken.Keystone

Aleksander Berentsen glaubt, dass die Vollgeld-Initiative übers Ziel hinausschiesst – und doch ein legitimes Anliegen aufgreift. Deshalb hat der Ökonom eine Konkurrenzidee lanciert.

Von Simon Schmid
am 16.08.2016

«Sicheres Geld ist ein öffentliches Gut», sagt Aleksander Berentsen. «Wenn es erst einmal vorhanden ist, profitieren alle davon.» Laut dem Basler Wirtschaftsprofessor ist das Geld in der Schweiz aber nicht sicher. Jedenfalls nicht so sicher, wie es sein könnte.

Was sich am Geld verbessern liesse, beschreibt Berentsen auf einer Webseite, die er kürzlich eingerichtet hat. Die Adresse – www.vollgeld-initiative.com – verrät, vor welchem Hintergrund der Ökonom den Gang an die Öffentlichkeit sucht. Berentsen präsentiert dort einen Gegenvorschlag zur Vollgeld-Initiative, die Ende 2015 beim Bundesrat eingereicht wurde und in den kommenden Jahren zur Abstimmung kommt.

Nicht stabilitätsorientiert

Diese Initiative – erreichbar unter der fast identischen Adresse www.vollgeld-initiative.ch – will Banken die Schaffung von Buchgeld verbieten und auf diese Weise die Finanzstabilität erhöhen. Banken könnten Kredite nicht mehr mit den kurzfristigen Einlagen von Kunden refinanzieren. Neues Geld würde von der Schweizerischen Nationalbank geschaffen, indem sie es an die Bürger oder an den Staat verteilt.

Für den Wirtschaftsforscher Berentsen, Dekan am Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum der Uni Basel, geht diese Reform jedoch viel zu weit. Die Initiative fordere eine radikale Abkehr vom bestehenden Zahlungs- und Finanzsystem. «Die Initiative ist abzulehnen, weil sie widersprüchlich ist und eine stabilitätsorientierte Geldpolitik verunmöglicht.», sagt er. Zudem würde Vollgeld zu politischen Begehrlichkeiten führen und hohe Inflationserwartungen schüren.

SNB-Konten für alle

Statt einer kompletten Reform schlägt Berentsen eine einfache Erweiterung vor: Nämlich, dass die SNB der gesamten Bevölkerung Zugang zu ihren Giro-Konten gibt. Diese Konten, über die aktuell nur Banken und Versicherungen ihren Zahlungsverkehr untereinander sowie mit der Nationalbank abwickeln, würden auch gewöhnlichen Bürgern erlauben, ihr Vermögen in elektronischem Notenbankgeld aufzubewahren – einer digitalen Form von Bargeld. Diese Möglichkeit hatte im Juni auch der Berner Wirtschaftsprofessor Dirk Niepelt in der NZZ diskutiert.

Solche SNB-Konten würden laut Berentsen Schutz für den Fall bieten, in dem eine Geschäftsbank ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. «Bei den SNB-Konten existiert kein Gegenparteirisiko», sagt er. «Die Nationalbank kann im Gegensatz zu einer privaten Geschäftsbank nicht illiquid werden.» In der Schweiz existiere ein Bedürfnis nach hundertprozentiger Geldsicherheit, die sich im aktuellen System höchstens durch physisches Bargeld befriedigen lasse. Bargeld sei allerdings umständlich und gerate zudem aus der Mode. «In der internationalen Politik wird Druck gemacht, den Gebrauch von Bargeld einzuschränken», sagt Berentsen. «SNB-Konten wären eine Alternative dazu.»

Die in der Schweiz bestehende Einlagensicherung, die Vermögen auf Bankkonten bis zu 100 000 Franken garantiert, bietet laut Berentsen in einer echten Krise keinen Schutz. «Die Gesamtsumme ist beschränkt auf 6 Milliarden Franken», sagt er. «Allein die mittelgrosse Thurgauer Kantonalbank hat aber Kundeneinlagen von über 13 Milliarden Franken»

«Geht zu wenig weit»

Die SNB will sich zum Vorschlag nicht äussern. Beim Initiativkomitee der Vollgeld-Initiative zeigt man sich erfreut. Die Initiative rege die Fachwelt dazu an, «eigene Ideen zu entwickeln». Die Variante mit dem fakultativen Zugang zu den SNB-Konten gehe aber aus mehreren Gründen zu wenig weit. Sie biete etwa keine Lösung des «Too big to fail»-Problems und trage auch nicht zur Loslösung vom «Prinzip des Schuldgeldes» bei. Zudem werde die Finanzspekulation auch nicht eingedämmt.

Wirtschaftstheoretiker Berentsen hält dagegen, dass der breite Zugang zu SNB-Konten eine disziplinierende Wirkung auf Banken hätte. «Kunden hätten die Option, Geld mit 100 Prozent Sicherheit bei der SNB anzulegen», sagt er. «Will eine Geschäftsbank selbst auch Geld anziehen, so muss sie ein sicheres Geschäftsmodell vorweisen oder das höhere Risiko mittels attraktiveren Konditionen kompensieren.»

Der Zugang zum elektronischen Notenbankgeld würde seiner Vorstellung nach von den Geschäftsbanken gewährleistet. Diese müssten gesetzlich verpflichtet werden, Kunden ein Konto anzubieten, welches ausserhalb der Bilanz der Geschäftsbank geführt würde und bei der Nationalbank bilanziert wäre. Für diese Dienstleistung würden die Geschäftsbanken entschädigt.

Was ist dran an der Alternative zum Vollgeld? Lesen Sie dazu in Kürze einen Beitrag auf unserem Ökonomieblog Free Lunch.

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