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Interview
Bernankes Feigheit als Gefahr für die Märkte

Dollarnoten: Die US-Notenbank hält vorerst an der expansiven Politik fest. (Bild: Keystone)

Der Wirtschaftsweise Volker Wieland geht mit seinem ehemaligen Chef, dem obersten US-Notenbanker Alan Greenspan und dessen Nachfolger Ben Bernanke hart ins Gericht.

Veröffentlicht am 02.12.2013

Die US-Notenbank Fed droht nach Ansicht des Wirtschaftsweisen Volker Wieland den richtigen Zeitpunkt für das Ende der grossen Geldflut zu verpassen. «Die künftige Fed-Chefin Janet Yellen schaut sehr stark auf die Stabilisierung der Arbeitslosigkeit», sagt Wieland in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Damit laufe sie Gefahr, zu spät aus der Niedrigzinspolitik auszusteigen, warnte der Ökonom, der früher im Stab des einstigen Fed-Chefs Alan Greenspan arbeitete. «Dann steigt das Risiko, dass die Inflation überschiesst oder es zu neuen Vermögenspreisblasen kommt.»

Nach Ansicht Wielands hätte der scheidende Fed-Chef Ben Bernanke längst mit dem Drosseln der Geldflut beginnen müssen, mit der seit Jahren die Wirtschaft in den USA gepäppelt wird. Dann wäre der Weg für eine Zinserhöhung 2014 frei gewesen, fügte der Frankfurter Wirtschaftsprofessor und Geldpolitik-Experte hinzu.

Märkte vorbereitet, Schritt aber nicht gewagt

Bernanke hatte die Finanzmärkte zur Jahresmitte behutsam auf ein schrittweises Zurückfahren der Konjunkturhilfen vorbereitet, den entscheidenden Schritt dann aber nicht gewagt. Nun setzen die Investoren darauf, dass die Fed die Geldspritzen von monatlich 85 Milliarden Dollar erst nächstes Jahr verringern wird. Eine Zinserhöhung wird erst für 2015 erwartet.

Das komme zu spät, warnt Wieland. «Wenn man sich die Prognosen der einzelnen Fed-Notenbanker zum Arbeitsmarkt und zur Inflation anschaut, müsste sie eigentlich früher als Mitte des Jahrzehnts an Zinserhöhungen denken.»

«Greenspans Stil hat sich überlebt»

Seinem früheren Chef Greenspan weist Wieland eine Mitschuld an der grossen Immobilienpreisblase in den USA zu, die im vorigen Jahrzehnt platzte und damit letztlich die Weltfinanzkrise auslöste. «Die Zinsen sind nach 2002 zu niedrig gesetzt worden.» Dies habe mit zu Übertreibungen bei Immobilienpreisen geführt.

Greenspan habe zudem der Deregulierung der Finanzmärkte das Wort geredet. "Mängel bei der Aufsicht und den Eigenkapitalanforderungen an die Banken beförderten dann auch Übertreibungen bei der Kreditvergabe.»

Intern offene Diskussionskultur

Intern habe Greenspan allerdings eine offene Diskussionskultur gefördert. «Das hat mich als junger Ökonom damals sehr beeindruckt», sagte Wieland, der nach seiner Promotion an der Eliteuniversität Stanford von Ende 1995 bis Oktober 2000 in Greenspans Stab arbeitete.

Nach aussen hin habe es zu Greenspans Image gehört, sich bewusst nicht klar auszudrücken. «Das war natürlich ein Mittel, die Diskussion auf ihn zu konzentrieren. Trotzdem wurde er von den Marktbeobachtern in der Regel gut verstanden.» Dieser Stil habe sich «überlebt», meint Wieland. Die Fed sei unter Ben Bernanke transparenter geworden. 

(reuters/vst/aho)

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