«Ich bin froh, dass ich Thomas Piketty gelesen habe», schreibt Microsoft-Gründer Bill Gates in seinem Blog. Er stimme dem französischen Wirtschaftswissenschaftler in den wesentlichen Punkten zu. Ungleiche Vermögensverteilung sei ein Problem, es zerstöre wirtschaftiche Anreize, mache Demokratien zu Reichtumsherrschaften und untergrabe das Ideal gleicher Menschen.

Bill Gates glaubt nicht daran, dass eine kapitalistische Wirtschaftsordnung gleichmachend wirke. Grosse Vermögenskonzentrationen können einen Schneeballeffekt haben, sofern man dem nicht entgegenwirkt, weswegen Regierungen durchaus konstruktiv umverteilend wirken können.

Wider libertäre Denker

Damit widerspricht der Mutli-Milliardär, der gemäss Forbes-Ranking mit einem Vermögen von fast 80 Milliarden Dollar der reichste Mann der Welt ist, libertären Denkern, die in den Schriften der österreichischen Schule ihr Allheil finden.

Das bedeutet aber nicht, wie Bill Gates festhält, dass er nun zu einem Etatisten geworden ist, dem Gegenpol der Libertären. Ein gewisses Mass an Ungleichheit sei zwar tatsächlich systemimmanent – und damit gibt er Piketty recht. Er glaube aber nicht, dass Amerika einer aristokratischen Gesellschaft gleiche, in der sich die Reichen auf ihren Lorbeeren ausruhen und Geldrenten einsammeln.

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Selfmade-Milliardäre als Beweis

Als Beweis verweist der Gründer eines Milliarden-Imperiums auf die Liste der 400 reichsten Amerikaner. «Ungefähr die Hälfte der dort aufgeführten Personen», schätzt Bill Gates, «sind Unternehmer, deren Firmen wegen harter Arbeit und ein wenig Glück florieren.» Leicht polemisch fügt Bill Gates hinzu: «Ich sehe niemanden auf der Liste, dessen Vorfahren 1780 ein grosses Stück Land gekauft haben und seither Kapitalrenten einstreichen.»

Mit seiner Kritik ist Bill Gates in guter Gesellschaft. Der Rummel um den Star-Ökonomen Piketty war riesig. Sein Buch wurde gefeiert – und wird mittlerweile genüsslich zerpflückt.

Nicht nur liberale Ökonomen widersprechen Piketty

Die Universität von Chicago hat kürzlich 34 führende Ökonomen über deren Meinung zu Piketty befragt. Nur eine einzige Ökonomin stützte die These des Franzosen, wonach sich das Verhältnis zwischen Löhnen und Kapitalerträgen zugunsten der Kapitalerträge verschiebt, was zu stärkerer Vermögenskonzentration und steigender wirtschaftlicher Ungleichheit führt. Sechs Ökonomen waren sich unsicher. Der Rest widerspricht dem Wirtschaftsprofessor von der Paris School of Economics.

Zu den Widersachern von Piketty gehören keineswegs nur liberale Ökonomen, die eine Umverteilung von Einkommen und Vermögen ablehnen (Piketty fordert eine stark progressive Besteuerung). Selbst Ökonomen der Mitte und linke Kreise stellen sich gegen den Franzosen. Oft wird vor allem die angeblich fehlerhafte Theorie bemängelt.