Es ist ein jährliches Ritual. Von Mitte Januar bis Ende März veröffentlichen die börsenkotierten Unternehmen in der Schweiz ihre Jahresergebnisse. Besondere Aufmerksamkeit geniessen dabei die 20 grossen Konzerne, die im Schweizer Börsenindex SMI abgebildet werden. Sie gelten als die Flaggschiffe der Schweizer Wirtschaft. Doch ein wirkliches Spiegelbild der Schweizer Wirtschaft sind sie nicht.

Das hat sich zum Beispiel 2013 exemplarisch gezeigt. Während die gesamte Wirtschaft in der Schweiz damals um magere 1,7 Prozent wuchs, steigerten sich die Gewinne der börsenkotierten Unternehmen um satte 22 Prozent. Wer nur die Medienberichte über die Abschlüsse der grossen Schweizer Unternehmen zur Kenntnis nahm, musste annehmen, dass es der Schweizer Wirtschaft blendend geht. Das tat es wegen der Frankenstärke jedoch nicht.

90 Prozent im Ausland erwirtschaftet

Wie wenig repräsentativ die 20 SMI-Konzerne für die Schweizer Wirtschaft sind, zeigt allein schon, wie gering deren Umsatzanteil im Inland ist. Im Schnitt erwirtschaften sie gemäss einer Zusammenstellung der Tageszeitung «NZZ» nur gerade 10,5 Prozent im Inland, wobei die Anteile zwischen weniger als einem Prozent (Novartis, Roche, SGS, Syngenta) und 82 Prozent (Swisscom) schwanken.

Dass die Schweizer Wirtschaftsschwergewichte den Verlauf der heimischen Wirtschaft nur ungenügend wiedergeben, ergibt sich auch aus dem Vergleich des Umsatz- mit dem Wirtschaftswachstum. So haben die SMI-Firmen ohne Nestlé von 2009 bis 2014 den Umsatz um 13 Prozent gesteigert. Die Schweizer Wirtschaft dagegen ist im gleichen Zeitraum nur um 9 Prozent gewachsen. Wer den SMI, der ja diese 20 Konzerne abbildet, als Barometer der Schweizer Wirtschaft versteht, liegt sogar noch deutlich stärker daneben. Der SMI hat sich nämlich von 2009 bis 2014 um 37 Prozent erhöht.

Novartis, Roche und Nestlé bestimmen SMI

Der markante Unterschied zwischen der Umsatz- und der Indexentwicklung kommt dabei nicht nur zustande, weil Anleger und Börsen per se zur Übertreibung neigen. Er ist auch Ausdruck einer Gewichtung. So bestimmt zum Beispiel die Kursentwicklung der Aktie des Pharmaunternehmens Novartis fünfmal stärker den Index als die Aktie des Industrieriesen ABB. Insgesamt gehen Novartis, Roche und Nestlé mit einem Anteil von 60,7 Prozent in den SMI ein.

Im Vergleich mit der wirtschaftlichen Bedeutung für die Schweiz sind im SMI denn auch die Pharmaindustrie (41 Prozent, Anteil am BIP 4 Prozent), die Banken (11 Prozent, Anteil BIP 5,6 Prozent), aber auch die Versicherungen (6,6 Prozent, Anteil BIP 4,2 Prozent) übervertreten.

Trotz erheblicher Bedeutung für die Schweizer Wirtschaft fast oder gar keinen Eingang in den SMI dagegen finden unter anderem der Handel (14 Prozent BIP Anteil) oder die öffentliche Verwaltung (14 Prozent BIP Anteil).

(sda/chb)

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