1. Home
  2. Konjunktur
  3. Boomende Finanzmärkte hemmen Wachstum

Antrieb
Boomende Finanzmärkte hemmen Wachstum

Zürich Paradeplatz: Boomende Finanzmärkte sind eine Konjunkturbremse. Keystone

Es klingt paradox: Wenn sich die Finanzmärkte stark entwickeln, ist das schlecht für das Wirtschaftswachstum, sagt die OECD. Der Grund: Die Ungleichheit nimmt zu, die Investitionen nehmen ab.

Veröffentlicht am 17.06.2015

Boomende Finanzmärkte hemmen einer Studie der Industriestaaten-Organisation OECD zufolge das Wirtschaftswachstum. «Moderne Volkswirtschaften haben die Finanzmarktregeln in den Jahrzehnten vor der Krise immer weiter liberalisiert», sagte OECD-Direktor Christian Kastrop am Mittwoch in Berlin.

«Am Anfang war das gut für die Wirtschaft, mit der Zeit aber hat die Deregulierung die ökonomischen Fundamente geschwächt.» Ein expandierender Finanzsektor sei vor allem dann eine Konjunkturbremse, wenn er Investitionen mit geringer Rendite finanziere. Das passiere gerade in Zeiten sehr niedriger Zinsen und grossen Kreditangebotes, sagte der Experte. Gleichzeitig ziehe die Finanzbranche durch ihre hohen Löhne talentierte Arbeitskräfte aus anderen Branchen ab, was langfristig das Wachstum behindere.

Jeder fünfte Spitzenverdiener in Finanzbranche

So arbeiten nur vier Prozent der Beschäftigten in der Finanzbranche, doch stellten sie ein Fünftel der absoluten Spitzenverdiener, sagte Kastrop. Schlecht für eine Volkswirtschaft sei auch, «wenn Banken systemrelevant werden und nur noch durch enorme öffentliche Kosten abgesichert werden können».

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat für ihre Studie Daten der vergangenen 50 Jahre ausgewertet. Danach sind die Kredite an Unternehmen und Privathaushalte dreimal so stark gewachsen wie die Realwirtschaft.

Mehr Ungleichheit schadet dem Wachstum

«Diese Dynamik verstärkt die Einkommensungleichheit, denn Wohlhabende investieren meist gewinnbringender als Menschen mit geringeren finanziellen Mitteln», erklärte die 34 Mitgliedsstaaten zählende Organisation. «So erwerben sie häufiger Aktien und erzielen hiermit in der Regel höhere Gewinne als aktienlose Haushalte.» Mehr Ungleichheit ist der OECD zufolge ebenfalls schädlich für das Wachstum.

Mit Reformen liesse sich dafür sorgen, dass der Finanzsektor zu einem sozialverträglichem Wachstum beitrage. So müsse eine Kreditschwemme verhindert, eine effiziente Bankenaufsicht eingesetzt und die Entlohnungspraxis geändert werden. «Boni, die kurzzeitige Erfolge belohnen, ohne auf die längerfristigen Folgen zu achten, sollten beschnitten werden», rät die OECD.

(awp/ise/ama)

Anzeige