Der Hoffnungsträger der Weltwirtschaft Brasilien schwächelt - und die Hauptschuld daran tragen nach Lesart der Regierung die anderen. Die sechstgrösste Volkswirtschaft der Welt wird derzeit von einem raschen Verfall ihrer Währung Real heimgesucht.

Die anfallenden Exportvorteile aber wiegen die Nachteile nicht auf, die dem Land dadurch drohen. Brasiliens Notenbank kündigte daher ein 60-Milliarden-Dollar-Paket an, um den Kurs der Währung zu verteidigen, die zuletzt auf ein Fünf-Jahres-Tief gefallen war. Zudem senkte die Regierung die Wachstumsprognosen für das Land auf 2,5 Prozent von zuvor drei Prozent für 2013.

Der Schuldige ist klar

Für die brasilianische Regierung ist der Schuldige für die Turbulenzen schon lange ausgemacht: die US-Geldpolitik. Noch vor wenigen Monaten hatte Finanzminister Guido Mantega die ultra-lockere Geldpolitik vieler westlicher Notenbanken, vor allem aber der US-Notenbank Fed, regelmässig bei internationalen Treffen mit harten Worten gegeisselt.

Anzeige

Er war es übrigens auch, der mit Blick auf massiv schwankende Kurse am Devisenmarkt vor einem «Währungskrieg» über die Geldpolitik gewarnt hatte.

Achtung Unordnung

Diese hyper-lockere Politik mit ihren Niedrigstzinsen spüle spekulatives Anlagegeld nach Brasilien, treibe dort den Zins nach oben, drohe gefährliche Preisblasen zu schaffen und bringe letztlich die gesamte Volkswirtschaft in Unordnung, klagte Mantega auf so manchem G20-Treffen. Noch im Februar erklomm Brasiliens Währung ein Neun-Monats-Hoch.

Inzwischen hat sich der Wind gedreht, und wieder findet Mantega, seien es insbesondere die US-Notenbanker, die die Wirtschaft seines Landes in Unruhe versetzten. «Verwirrende» Botschaften über das bevorstehende Abbremsen der hochexpansiven Fed-Politik seien es vor allem, die neue Unsicherheiten in seinem Land ausgelöst hätten, sagte Mantega kürzlich.

In den USA ist seit Wochen eine hitzige Debatte im Gange, wann die Fed den Schalter umlegen und anfangen wird, die Gelddruckmaschinen erst langsamer rotieren zu lassen und dann gar nicht mehr.

Gefahr für Brasilien

Der noch bis Ende Januar amtierende Notenbankchef Ben Bernanke hatte zuletzt angedeutet, dass er damit noch in diesem Jahr anfangen will und die Wertpapierkäufe, über die er derzeit monatlich 85 Milliarden Dollar in die Volkswirtschaft pumpt, Mitte 2014 dann beenden will. Doch das genaue Timing hängt davon ab, wie sich der US-Arbeitsmarkt entwickelt, dem Bernankes ganze Aufmerksamkeit gilt.

Die Folgen des absehbaren geldpolitischen Schwenks sind in jedem Fall gefährlich für Brasilien und andere Schwellenländer, in die das viele billige Geld der US-Notenbank in den vergangenen Monaten und Jahren geflossen ist. Denn jetzt fliesst das Geld ab.

Anzeige

Im Land am Amazonas schwächelt die Wirtschaft, während sie in den USA und Europa langsam in Fahrt kommt. Ausserdem ziehen die Anleiherenditen in den westlichen Industrienationen sukzessive an - Kapital ist eben flüchtig. Seinen Widerhall findet das in Kursverlusten der brasilianischen Währung. Das Wirtschaftswachstum wird dadurch eingebremst. Eines ist immerhin positiv: der Inflationsdruck sinkt.

(sda/jev)