Der kaum regulierte Finanzsektor Chinas ist nach Einschätzung der britischen Notenbank ein Risiko für die Wirtschaft weltweit. «Was in China geschieht, hat direkten Einfluss auf die globale Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen», sagte Mark Carney, Chef der britischen Notenbank, dem «Handelsblatt». Der Schattensektor sei in China in den vergangenen fünf Jahren deutlich stärker als das Bruttoinlandsprodukt gewachsen. Es gebe implizite Garantien zwischen dortigen Banken und Schattenbanken. Diese Strukturen würden klar erkennbare Risiken bergen.

Nervosität sehr hoch

Im chinesischen Bankensektor ist die Nervosität seit einiger Zeit sehr hoch. Da sich die Institute zum Teil nicht mehr über den Weg trauen, stiegen die Zinssätze am Geldmarkt immer wieder mal sprunghaft an. Die chinesische Notenbank musste mehrmals gegensteuern, um dies in den Griff zu bekommen. Zudem kämpfen die Währungshüter die Notenbank mit einem stark steigenden Kreditvolumen und einem aufgeblähten Markt für Immobilien. Eine Folge dieses Kampf waren die zuletzt deutlichen Kursverluste der chinesischen Währung Yuan.

Diese erlitt im Februar den stärksten Verlust, seitdem die fixe Bindung an den Dollar im Jahr 2005 erstmals gelockert wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Yuan fest an die US-Währung gekoppelt. Seither darf sich der Kurs um einen von der Zentralbank festgelegten Mittelkurs bewegen. Gegenwärtig beträgt dieses Band nach oben wie nach unten ein Prozent.

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Experten vermuten, dass die Regierung mit der Beschleunigung der Yuan-Schwäche Spekulanten verschrecken will, die auf weitere Aufwertung setzten. Der ständige Wertzuwachs hatte viel «heisses Geld» an den Kapitalkontrollen vorbei nach China fliessen lassen. Das erschwert die Bemühungen der Zentralbank, die Risiken durch den aufgeblähten Immobilienmarkt, das starke Kreditwachstum und das unkontrollierte Schattenbankenwesen einzudämmen.

(awp/chb)