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Finanzierung
Brüssel plant neue Geldquellen für Firmen

Geldscheine: EU-Firmen sollen einfacher zu Geld kommen. Keystone

Wegen der Finanzkrise erhalten viele EU-Unternehmen keine Bankkredite mehr. Nun will Brüssel helfen: Die EU-Kommission plant neue Finanzierungsinstrumente für Firmen.

Veröffentlicht am 30.09.2015

KMU sollen sich in der EU leichter am Markt Geld beschaffen können. Neben den klassischen Bankkrediten sollen sie künftig alternative Quellen für Investitionen nutzen können. Zudem werden bürokratische Hindernisse abgebaut. EU-Finanzmarktkommissar Jonathan Hill legte dazu einen entsprechenden Aktionsplan vor.

«Ich möchte Hindernisse aus dem Weg räumen, damit Kapital ungehindert zwischen allen 28 Mitgliedstaaten fliessen kann», sagte Hill am Mittwoch in Brüssel bei der Präsentation des Plans zur Kapitalmarktunion. Mit Hilfe mehrere Massnahmen sollen die Investitionsschwäche und die Kreditklemme vor allem in Südeuropa überwunden und KMU sowie Start-up-Firmen gestärkt werden.

Zu abhängig von Bankkrediten

Europas Wirtschaft sei bislang zu stark von Bankenkrediten abhängig. «Wenn man alle Eier in einen Korb legt, und es kommt zu einer Krise im Bankensektor, schlägt das auf die ganze Branche durch», mahnte Hill.

Konkret will Brüssel die Verbriefungen neu regeln - die Umwandlung von Krediten und anderen Forderungen in handelbare Wertpapiere. Verbriefungen gelten jedoch als wesentlicher Auslöser der Finanzkrise 2008. Hill versuchte daher, Bedenken zu zerstreuen: «Wir sind zuversichtlich, dass wir verhältnismässig handeln.» So etwa werde die Aufsicht über den Verbriefungsmarkt verstärkt.

Mitgliedsstaaten müssen zustimmen

Ausserdem sollen Versicherer einfacher in Infrastrukturprojekte investieren können. Daher will Brüssel eine eigene Anlageklasse für Infrastrukturinvestitionen schaffen und die Eigenmittelunterlegung senken.

Damit diese Vorschläge in Kraft treten können, müssen zuvor die EU-Mitgliedstaaten noch grünes Licht geben.

Änderung bei Börsenprospekten

Bis Jahresende will die EU-Kommission zudem einen Änderungsvorschlag für Börsenprospekte vorlegen. In ihnen erläutern Unternehmen vor einem Börsengang Chancen und Risiken der Anlage. Die Kommission will die Erstellung der Börsenprospekte für KMU «vereinfachen und verschlanken» und damit billiger machen, wie Hill sagte.

Darüber hinaus hat die EU-Kommission zwei Konsultationen zu Risikoinvestitionsfonds und zu gedeckten Schuldverschreibungen eingeleitet.

Die Schaffung von Risikoinvestitionsfonds soll «es für private Sparer einfacher und attraktiver machen, in nicht börsenkotierte KMU zu investieren». Denn KMU haben oft Schwierigkeiten, Bankkredite zu erhalten oder sich via Aktienmärkte zu finanzieren. Ob die EU-Kommission bei den gedeckten Schuldverschreibungen - das sind besonders gut abgesicherte Anleihen - tätig werden wird, hängt vom Ergebnis der Konsultation ab.

(sda/mbü)

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