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Ärger
China bangt um sein Geld

Chinas Mao-Erben: «Wir brauchen Alternativen zum Dollar.» (Bild: Bloomberg)

Die Chinesen sind wegen dem US-Haushaltspoker nervös. Als grösster Kreditgeber der Amerikaner hat Peking Geld und Macht, aber kaum Alternativen zum US-Dollar.

Veröffentlicht am 17.10.2013

Das US-Haushaltspoker macht China nervös. Als grösster Kreditgeber hat Peking Geld und Macht, aber kaum Alternativen zum US-Dollar. Noch. Denn China will den Yuan langfristig zur Leitwährung machen.

Mit Schrecken verfolgt Chinas Staatsführung das Haushaltsdrama in den USA. Als grösster ausländischer Gläubiger bangt Peking um seine gewaltigen Reserven, die zu einem riesigen Teil in amerikanischen Staatsanleihen geparkt sind. Faktisch sind sie damit ein wichtiger Geldgeber für die grösste Ökonomie der Welt.

Grösste Aufmerksamkeit aus Peking

Kürzlich wurde US-Aussenminister John Kerry von Ministerpräsident Li Keqiang schon gewarnt, China verfolge den US-Haushaltspoker mit grosser Aufmerksamkeit. Anfang der Woche wurde Chinas Vize-Finanzminister Zhu Guangyao vor Journalisten in Peking deutlicher: Washington müsse endlich Verantwortung übernehmen. Chinas Staatsagentur Xinhua ging sogar so weit, zum Aufbau einer «ent-amerikanisierten Welt» aufzufordern.

Müssen sich die USA nun sorgen, dass ihnen Peking den Geldhahn zudreht? «China hat die grössten Dollar-Reserven», betont Professor Sun Lijian von der Fudan Universität in Shanghai im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Während die USA am finanziellen Abgrund wandeln, kann China dank seines mächtigen Handelsüberschusses Milliardenbeträge in ausländischen Währungen anlegen - wegen des gewaltigen US-Marktes für chinesische Produkte vor allem eben in Dollar.

Allein im dritten Quartal bezifferte die Zentralbank, People's Bank of China, die Währungsreserven, auf 3,66 Billionen Dollar - nach zuvor 3,5 Billionen Dollar. Davon sollen 60 Prozent in Dollar angelegt sein. Die genauen Zahlen sind jedoch geheim.

Das bringt Peking eine gewaltige Macht - jedoch zunächst nur auf dem Papier. Die Direktorin des China Forex Investment Research Institute, Tan Yaling, sagt: «Der US-Dollar ist die dominante Währung.» Es würde alleine aus finanzieller Sicht keinen Sinn machen, die Währungsreserven in Dollar abzustossen.

Ausserdem mangelt es an Alternativen: Es ist keine Währung in Sicht, die den Dollar als Leitwährung ablösen könnte. Auch wenn der Euro als zweitwichtigste Währung hinter dem Dollar an Bedeutung gewinnt. Spätestens seit der Staatsschuldenkrise in Europa haben sich die Chinesen vorerst von der Idee verabschiedet, man könne ganz auf die europäische Währung setzen.

Reduktion der Staatsanleihen fragwürdig

Auch bei dem Berg von US-Staatsanleihen sind Peking die Hände gebunden. 1,3 Billionen Dollar hat China in den Staatspapieren angelegt. In einer Analyse für den US-Kongress heisst es: «Die Wahrscheinlichkeit, dass China plötzlich seine US-Staatsanleihen reduziert, ist sehr fragwürdig.»

Als Riesenspieler in der Weltökonomie würde zudem jeder Schlag gegen den Dollar auf Peking zurückfallen. Denn die USA und Exportweltmeister China sind ökonomisch aneinander gekettet. So wie der US-Markt chinesische Produkte braucht, so sind die Chinesen auf den US-Markt angewiesen.

Aber das langfristige Ziel ist klar: China will sich unabhängiger von den US-Finanzanlagen machen. Der chinesische Yuan (Renminbi) soll als eigene Leitwährung neben dem Dollar bestehen können. «Wir brauchen Alternativen zum Dollar», fordert Sun Lijian. Chinas Staatsführung will mit Strukturreformen seine Wirtschaft umkrempeln. Weg vom Export, dafür soll die heimische Nachfrage angekurbelt werden.

(sda/chb)

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