Seit seiner Wahl bewegt Donald Trump die Märkte. Die Börsen setzten nach seinem Sieg zum Höhenflug an. Doch betroffen von Trumps Wahl sind auch die Rohstoffe. Denn in Zeiten der Unsicherheit setzen Anleger und Staaten auf Gold als Krisenwährung.

Laut der Eidgenössischen Zollverwaltung sind die Goldausfuhren nach China im Dezember 2016 auf 158 Tonnen im Wert von rund 5,8 Milliarden Franken gestiegen. Das sind weit über die Hälfte der gesamten Schweizer Goldexporte in dem Monat.

Zum Vergleich: Im November wurden nur 30,6 Tonnen Gold ins Reich der Mitte exportiert. Im Dezember 2015 waren es 57 Tonnen. Wie lässt sich der enorme Anstieg zum Ende des letzten Jahres erklären?

Währung stützen

Gold hat in China eine grosse kulturelle Bedeutung und wird gerne verschenkt. Es ist deshalb normal, dass das Land vor dem chinesischen Neujahr mehr Gold importiert, und am 28. Januar begann das Jahr des Feuer-Hahns. Doch für eine Verfünffachung der Importe reicht der Goldhunger der chinesischen Konsumenten alleine nicht aus, das zeigen die Zahlen vom Vorjahr.

Die Schweizer Daten geben keinen Aufschluss über die chinesischen Käufer. Doch sehr wahrscheinlich habe die chinesische Zentralbank ihre Goldvorräte aufgestockt um die Währung zu stützen, so die «South China Morning Post» (SCMP). Der Renminbi hatte nach einigen Spitzen des gewählten US-Präsidenten Donald Trump gegen China zeitweise deutlich an Wert verloren.

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Angst vor Handelskrieg

Zwar habe die Zentralbank schon 2014 begonnen, die Goldreserven aufzustocken, erklärt der Goldexperte Zhang Baoqiang gegenüber der Zeitung. «Doch es ist gut möglich, dass die Zentralbank versucht, Dollar-Bestände abzubauen, um wirtschaftlichen Verwerfungen zwischen Peking und Washington zuvorzukommen.»

Trumps Telefonat mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen und weitere Äusserungen des damals gewählten Präsidenten und seines Umfeldes hatten Zweifel an der Fortführung der sogenannten Ein-China-Politik der USA aufkommen lassen. Selbst ein Handelskrieg zwischen den zwei wichtigsten Wirtschaftsmächten der Welt schien denkbar.

Diversifizierung der Reserven

Laut der chinesischen Zentralbank standen die Goldreserven Ende 2016 seit drei Monaten unverändert bei 1678 Tonnen. Doch die offiziellen Zahlen werden breit angezweifelt, schreibt die SCMP. Das World Gold Council beispielsweise gibt die Reserven des Landes mit 1843 Tonnen an.

Tan Yaling, der Chef des China Forex Investment Research Institute, sieht Trump als «Faktor für den Anstieg der Goldkäufe». Doch die Zukäufe seien auch ein Teil einer breiteren Strategie der Diversifizierung von Chinas Auslandsreserven.

Gold-Drehscheibe Schweiz

Dass gerade die Schweizer Zollverwaltung einen Einblick in die chinesische Wirtschafts- und Währungspolitik ermöglicht, ist kein Wunder. Auch ohne nennenswerte Goldvorkommen gehört die Schweiz zu den wichtigsten Playern im Goldgeschäft.

Vier der in der Schweiz ansässigen Raffinerien gehörten gemäss Schätzungen gemessen an der jährlichen Schmelzkapazität zu den weltweit grössten, so die Eidgenössische Zollverwaltung. Die vier Raffinerien verarbeiten bis zu 70 Prozent des weltweit pro Jahr produzierten Goldes.

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Über den genauen Marktanteil gehen die Zahlen indes weit auseinander. Für das Jahr 2011 errechnete die Zollverwaltung einen Anteil von rund 39 Prozent an den weltweiten Importen und 31 Prozent an den weltweiten Exporten des Edelmetalls.