Chinas Wirtschaftsboom der vergangenen Jahre wurde massgeblich durch üppige Geldversorgung befeuert. Schon lange warnen Analysten deshalb vor einer Lawine von Kreditausfällen, die auf die Grossbanken zurollt. Mit dem zuletzt langsameren Wachstum gerät dieses Thema in den Fokus und Banken müssen die Risikovorsorge stärken. Weil in diesem Umfeld erhöhte Anforderungen bei den Reserven für ausgereichte Kredite erfüllt werden müssen, entstehen Engpässe an anderen Stellen.

Viele Experten hatten damit gerechnet, dass die Zentralbank mit weiteren Finanzspritzen einspringt, selbst regierungsnahe Medien hatten zuletzt in diese Richtung spekuliert. Doch die Währungshüter halten sich bereits seit einigen Monaten zurück und wollen das wohl auch weiterhin tun, wie die jüngsten Aussagen belegen. Chinas Zentralbank will die Geldhäuser nun offenbar gar auf Entzug setzen. Die Institute würden keine weitere Liquidität erhalten, um ihnen eine Lektion in Sachen verantwortungsvoller Kreditvergabe zu erteilen, zitiert die Finanz-Nachrichtenagentur Market News International einen  Zentralbanker.

Keine weitere Hilfe

Dabei bekommt China die Liquiditätslücken seiner Grossbanken mittlerweile selbst bei der Kapitalaufnahme zu spüren. Bei der letzten Versteigerung von zehnjährigen Staatsanleihen fiel die Nachfrage am Mittwoch auf den niedrigsten Stand seit August 2012.

Die Finanzmärkte reagierten zur Wochenmitte nervös auf die Nachrichten aus dem Reich der Mitte. Der deutsche Leitindex Dax rutschte nach freundlichem Start ins Minus. China sei schuld, sagten Händler. Die jüngsten Berichte bedeuteten, dass Banken in Mittelnot keine weitere Hilfe zu erwarten haben, sagte ein Börsianer.

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(se/aho/reuters)