Bharat-Benz und Sitrak heissen die zwei neuen Nutzfahrzeugmarken, mit welchen Weltmarktleader Daimler Trucks sowie MAN Truck & Bus die asiatischen Märkte weiter aufmischen wollen. Noch stellt Europa für die beiden deutschen Nutzfahrzeughersteller einen wichtigen Markt dar. In Zukunft allerdings werden die asiatischen Märkte – insbesondere Indien und China – eine zunehmend wichtigere Rolle spielen. Allein in China wurden im vergangenen Jahr rund 1 Million Nutzfahrzeuge mit über 14 Tonnen Gesamtgewicht verkauft. Das ist gleich viel wie in den Märkten Europa, USA und Afrika zusammengenommen. Daimler Trucks und MAN Truck & Bus haben in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um in Indien und in China stärker präsent zu sein. Daimler arbeitet seit einigen Jahren mit dem chinesischen Hersteller Foton zusammen.

In Indien starteten die Stuttgarter vor kurzem mit einer eigenen Nutzfahrzeugmarke. Unter dem Namen Bharat-Benz werden ab kommendem Jahr im indischen Daimler-Werk Chennai Nutzfahrzeuge von 6 bis 49 Tonnen Gesamtgewicht vom Band rollen. Nach den Worten von Dieter Zetsche, dem Vorsitzenden des Vorstandes der Daimler AG, sind die lokal produzierten Nutzfahrzeuge «die richtige Mischung aus Daimler-DNA und indischem Markt-Know-how».
Ehrgeizige Pläne verfolgt MAN Truck & Bus in China. Mit 560 Millionen Euro beteiligte sich MAN am chinesischen Hersteller Sinotruck und erwarb eine Beteiligung von 25 Prozent plus 1 Aktie. Sinotruck will in den kommenden Jahren den jährlichen Ausstoss neuer Lastwagen von derzeit 230 000 auf rund 1 Million Fahrzeuge in vier Jahren erhöhen. Dies ist ein ehrgeiziges Ziel. Ende April lancierten MAN und Sinotruck auf der Messe Auto Shanghai 2011 die ersten Nutzfahrzeuge, welche unter dem gemeinsamen Markennamen Sintrak in Asien verkauft werden sollen. Im Dezember dieses Jahres sollen die ersten Wagen vom Band rollen.
 

Spezielle Anforderungen

Für beide Märkte, China wie Indien, gelten besondere Anforderungen an Lastwagen. Trucks in diesen Ländern müssen zwar robust sein, dürfen aber umgerechnet höchstens 30 000 bis 40 000 Euro kosten. Nutzfahrzeuge mit hochempfindlicher Elektronik und optimierter Leichtbauweise sind weniger geeignet. Gefragt sind dort «einfach gestrickte» Fahrzeuge, die den harten Einsatzbedingungen auf unbefestigten Strassen standhalten können. Die Herausforderung an die europäischen Hersteller wird es in Zukunft sein, die spezifischen Anforderungen des chinesischen und indischen Marktes erfüllen zu können. Dies mit Fahrzeugen, die einiges weniger kosten dürfen als ihre europäischen Pendants.

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