Der billionenschwere Devisenberg Chinas nimmt langsam, aber sicher ab. Nach Regierungsangaben vom Montag gaben die Devisenreserven der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft von Ende Juli bis Ende August um knapp 94 Milliarden auf 3,56 Billionen Dollar nach. Das ist ein Rekordrückgang und mehr als doppelt so viel wie das Minus von Juni auf Juli (42,5 Milliarden Dollar). Bankvolkswirte hatten für August mit einem Abfluss gerechnet, allerdings einen etwas weniger starken Rückgang erwartet.

Die Zahlen wurden an den Finanzmärkten mit Spannung erwartet, weil sie einen Hinweis darauf geben, wie stark die chinesische Notenbank in den vergangenen Wochen die unter Druck stehende Landeswährung Yuan mit Devisenverkäufen stützen musste. Am 11. August hatte China ein neues Wechselkursregime eingeführt, das sich stärker an Marktkräften orientiert. Als Folge wertete der Yuan zum Dollar deutlich ab, obwohl die Notenbank den Wechselkurs immer noch in Grenzen kontrolliert. Das hatte grosse Sorgen über den Zustand der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft hervorgerufen.

«Quantitativen Straffung»

Unter Ökonomen hat sich in den vergangenen Wochen der Begriff der «Quantitativen Straffung» (Quantitative Tightening) durchgesetzt. Darunter wird eine unbeabsichtigte geldpolitische Straffung in den Industrieländern verstanden, falls grosse Schwellenländer wie China ihre Anlagen in den Industrienationen auflösen und Devisen verkaufen, um ihre heimischen Währungen zu stützen. Das kann dazu führen, dass die Marktzinsen in den Industrienationen steigen, obwohl die dortigen Notenbanken ihren lockeren Kurs fortsetzen.

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Eine derartige Straffung läuft einerseits geldpolitischen Lockerungen entgegen, wie sie etwa die Europäische Zentralbank (EZB) vornimmt, um Konjunktur und Inflation in Schwung zu bringen. Andererseits kann sie in Ländern wie den USA, die auf eine geldpolitische Straffung zusteuern, die absehbare Entwicklung steigender Binnenmarktzinsen vorweg nehmen. Das wiederum kann Auswirkungen auf die faktische Geldpolitik der jeweiligen Zentralbank, etwa der US-Notenbank Fed, haben.

10 Prozent gefallen

Trotz des Rückgangs verfügt China weiterhin über die mit Abstand grössten Devisenreserven der Welt. Allerdings haben sie sich in den vergangenen Monaten deutlich verringert, was von Ökonomen mit den wirtschaftlichen Problemen Chinas begründet wird. Mitte 2014 hatten die Devisenreserven, die etwa in amerikanischen oder europäischen Staatsanleihen angelegt sind, einen Rekordwert von fast 4 Billionen Dollar erreicht. Seither sind sie um gut 400 Milliarden Dollar oder 10 Prozent gefallen.

(awp/dbe/hon)