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Wachstum
Chinas Notenbank fürchtet schwache Inflation

China: Die Zahlen sind nach wie vor alles andere als erfreulich. Keystone

Die schwache Inflation setzt Chinas Zentralbank gehörig unter Druck. Schon wieder verpasst die Wirtschaft im Reich der Mitte Vorgaben deutlich.

Veröffentlicht am 14.10.2015

In China bleibt die Inflation ungewöhnlich schwach und droht zunehmend eine Gefahr für die Konjunktur zu werden. Im September seien die Verbraucherpreise um 1,6 Prozent im Jahresvergleich gestiegen, teilte das Statistikamt in Peking mit. Im Vormonat hatte die Inflationsrate noch bei 2,0 Prozent gelegen. Die Aktienmärkte reagierten auf die chinesischen Preisdaten mit Kursverlusten.

Ökonomen hatten für September zwar eine schwächere Teuerung erwartet, waren aber von einer Inflation von 1,8 Prozent ausgegangen. Der Preisanstieg liegt damit deutlich unter der Marke von drei Prozent, die von der Regierung in Peking offiziell angestrebt wird. Experte Frederik Kunze von der NordLB erklärte die moderate Preisentwicklung im September vor allem mit einem Rückgang der Teuerungsrate bei Nahrungsmitteln.

Weiter starker Einbruch der Produzentenpreise

Noch deutlicher zeigt sich die schwache Preisentwicklung auf der Produzentenebene. Bei den Erzeugerpreisen meldete das Statistikamt für September einen kräftigen Rückgang um 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Rückgang ist so stark wie im Vormonat, als die Herstellerpreise den stärksten Rückschlag seit mehr als fünf Jahren verzeichnet hatten. Volkswirte sahen die Ursachen in einem starken Rückgang der Rohstoffpreise und einer schwachen Inlandsnachfrage.

«Die nach wie vor schwache Inflation im Reich der Mitte droht zunehmend auf die Gewinnsituation der Unternehmen und die landesweiten Lohnsteigerungen durchzuschlagen», warnte Experte Rainer Sartoris von der HSBC Trinkaus-Bank. Um Deflationsgefahren gar nicht erst aufkommen zu lassen, erwartet er von der chinesischen Notenbank eine weitere deutliche Lockerung der Geldpolitik.

Auch Aktienmärkte leiden

Ähnlich äusserte sich auch der Experte Charlie Lay von der Commerzbank. Die vergleichsweise schwache Inflation gebe der Zentralbank in Peking mehr Spielraum, weitere gezielte Massnahmen zu ergreifen. Zuletzt hatte die People's Bank of China (PBoC) am Wochenende ein Programm zur Ankurbelung von Bankdarlehen erweitert.

An den asiatischen Börsen gab es nach den schwachen Inflationsdaten deutliche Kursverluste. An der Börse in Tokio fiel der Nikkei-225-Index um 1,89 Prozent auf 17 891,00 Punkte. An der chinesischen Festlandsbörse fiel der CSI-300-Index 1,13 Prozent auf 3406,11 Punkte. An den europäischen Aktienmärkten gab es am Morgen ebenfalls Verluste, während die Kurse von vergleichsweise sicheren Bundesanleihen zulegen konnten.

(awp/chb)

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