Im Schlussquartal trugen steigende Staatsausgaben und eine Kreditvergabe der Banken in Rekordhöhe zu einem Wachstum des chinesischen Bruttoinlandprodukts (BIP) von 6,8 Prozent bei.

Damit beschleunigte sich das Tempo erstmals seit zwei Jahren wieder, wie aus veröffentlichten amtlichen Daten hervorgeht. Im Gesamtjahr reichte es dennoch nur zu 6,7 Prozent, dem kleinsten BIP-Zuwachs seit 26 Jahren.

Angst vor Handelskrieg

Für dieses Jahr gibt die Regierung Insidern zufolge 6,5 Prozent als Zielmarke aus. Die steigende Verschuldung, die schwache globale Konjunktur und die Gefahr eines Handelskrieges mit den USA unter dem neuen Präsidenten Donald Trump könnten den Exportweltmeister belasten.

«China wird sich neuem Gegenwind ausgesetzt sehen», prognostizierte Louis Kuijs von Oxford Economics in Hongkong. Trump ist ein Dorn im Auge, dass die Vereinigten Staaten viel mehr aus China importieren als dorthin verkaufen und viele Fabriken in die Volksrepublik verlagert wurden. Er hat deshalb mit Importzöllen gedroht.

Zudem wirft er China vor, den Kurs der heimischen Währung Xuan zu drücken und sich so Vorteile auf den Weltmärkten zu verschaffen. Ein Handels- und Währungskrieg würde China hart treffen. Gefahr geht zudem vom Kurs der US-Notenbank (Fed) aus, die ihre Leitzinsen angesichts der guten Konjunktur stärker anheben könnte, was Investitionen in US-Anlagen attraktiver machen würde.

«Das würde zu stärkeren Kapitalabflüssen aus China führen und das Finanzsystem Chinas unter Stress setzen», sagte Analyst Bill Adams von der PNC Financial Services Group. Bereits 2016 setzte diese Aussicht den Yuan unter Druck, der so kräftig abwertete wie keine andere grosse asiatische Währung.

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Als problematisch sehen Experten auch die enormen Schulden der Volksrepublik an. Diese machen inzwischen 277 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung aus, nachdem es Ende 2015 noch 254 Prozent waren.

Viele neue Kredite würden aufgenommen, um Zins und Tilgung für Altschulden stemmen zu können, heisst es in einer Studie von UBS. «Die Wachstumsraten werden tendenziell », erwartet deshalb der Chefökonom der VP Bank, Thomas Gitzel.

Binnenkonjunktur stärken

Nach einem jahrzehntelangen Boom mit teils zweistelligen Wachstumsraten will die Führung in Peking das exportlastige Wirtschaftsmodell stärker auf die Binnenkonjunktur ausrichten und den privaten Konsum ankurbeln. Dafür nimmt sie ein schwächeres Wachstum in Kauf. Zugleich stemmt sie sich gegen eine Überhitzung des Immobilienmarktes. Dank höherer Staatsausgaben hat sich die Wirtschaft in den vergangenen Monaten stabilisiert.

Allerdings schwächeln die privaten Investitionen weiter. So stiegen die Anlageinvestitionen im vergangenen Jahr nur noch um 8,1 Prozent und damit so langsam wie seit 1999 nicht mehr. Experten hatten mit 8,3 Prozent gerechnet. Auch die Industrieproduktion lag zuletzt unter den Erwartungen: Sie stieg im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6 Prozent. Experten hatten mit 6,1 Prozent gerechnet.

Stabilisiert wird die Konjunktur vom Immobilienboom. Die Investitionen legten hier 2016 um 6,9 Prozent zu, während die Verkäufe mit 22,5 Prozent so kräftig anzogen wie seit sieben Jahren nicht mehr. Die Regierung versucht mit Restriktionen, eine Preisblase zu verhindern. So wurden Immobilienentwickler bestraft, weil sie ihre Preise ohne Genehmigung erhöhten.

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(sda/chb)