Die chinesische Zentralbank greift Banken mit Barmitteln unter die Arme. Institute mit einem vorübergehenden Engpass würden ausreichend Mittel bekommen, teilten die Währungshüter am Dienstag mit. Einige Banken hätten bereits Geld erhalten. In China gebe es insgesamt allerdings keinen Liquiditätsengpass.

Zuletzt hatten die steigenden Geldmarkt-Zinsen in China für Unruhe gesorgt. Weil sich die chinesischen Währungshüter weigern, den Markt weiter mit Geld zu fluten, versuchten sich die Banken bei anderen Geldhäusern einzudecken und trieben dadurch die Zinsen für kurzfristige Darlehen in die Höhe. Die Angst vor einer Finanzkrise in China belastete zuletzt weltweit die Aktienkurse.

Chinas Zentralbank will den Märkten weltweit damit die Angst vor einer Finanzkrise in der Volksrepublik nehmen. Die Währungshüter signalisierten, in ihrem Kampf gegen eine zu starke Kreditvergabe die Daumenschrauben nicht zu kräftig anzuziehen. Zudem unterstützen sie einige Geldhäuser bereits. «Wir werden die Markterwartungen stabilisieren und die Marktzinsen auf ein vernünftiges Niveau bringen», sagte Ling Tao, Vize-Chef der Zentralbankregion Shanghai am Dienstag. «Die Liquiditätsrisiken im Bankensystem sind derzeit unter Kontrolle.»

Anzeige

Zuletzt hatten die steigenden Geldmarkt-Zinsen in der zweitgrössten Volkswirtschaft für Unruhe gesorgt. Weil die Währungshüter den Markt nicht weiter mit Geld fluten wollen, versuchten sich die Banken bei anderen Geldhäusern einzudecken und trieben die Zinsen für kurzfristige Darlehen in die Höhe. Dies schürte die Angst vor einer Finanzkrise in China, was weltweit die Aktienkurse belastete. Der Leitindex CSI300 der Börsen von Shanghai und Shenzhen sackte zeitweise um sechs Prozent auf den tiefsten Stand seit Januar 2009. Allerdings holte er die Verluste fast wieder auf und schloss nur 0,3 Prozent im Minus. Denn die Anleger setzten auf ein positives Signal der Zentralbank.

Leichte Entspannung am Geldmarkt

Währungshüter Ling sagte dann auch kurz nach Börsenschluss, durch ein angemessenes Liquiditätsmanagement solle ein angemessenes Kreditwachstum sichergestellt werden. «Die Anleger interpretierten diese Aussagen als Bereitschaft der Zentralbank, im Notfall doch wieder einzugreifen und es nicht zu einer Kreditklemme kommen zu lassen», sagte ein Börsianer. Kurz danach teilte die Zentralbank mit, sie habe bereits Banken mit einem finanziellen Engpass Geld zur Verfügung gestellt und werde dies auch weiter tun. Insgesamt gebe es in China aber keine Liquiditätsnot. Am Geldmarkt setzte sich die Entspannung fort. Händlern zufolge half, dass die Zentralbank bei ihren üblichen Geschäften dem Markt am Morgen keine Liquidität entzogen hat. In der vergangenen Woche hatte sie das getan und dadurch die Panik am Geldmarkt mit angefacht. Am Dienstag stiegen die kurzfristigen Zinsen zunächst wieder bis auf 15 Prozent, fielen dann aber unter sechs Prozent.

Lackmustest für neue Staatsführung

«Die Liquiditätsklemme ist die erste echte wirtschaftspolitische Herausforderung für Chinas neue Führung, um ihre Bereitschaft zu zeigen, schwierige Fragen nicht nur mit Worten zu lösen, sondern mit Taten», sagte Analyst Zhiwei Zhang von der Nomura-Bank in Hongkong. «Wenn die Staatsführung ihre aktuelle Herangehensweise beibehält, wird dies zu Abwärtsrisiken für das Wachstum 2013 führen, aber dazu beitragen, systemische Risiken im Finanzsektor zu reduzieren.» Dies würde ein langfristig nachhaltiges Wachstum stützen. Zuletzt hatte auch Systemausfälle bei mehreren chinesischen Banken die Sorgen vor einer Kreditklemme angefacht.

Bei dem landesweit drittgrössten Kreditgeber, der Bank of China, gab es am Montag ebenso wie bei der Bank of Nanjing zeitweise Störungen im Überweisungssystem. Am Sonntag konnten Kunden des Branchenführers ICBC nach Berichten auf dem Kurznachrichtendienst Weibo im ganzen Land an Automaten kein Geld abheben. Den Geldhäusern zufolge lag dies an technischen Problemen. Doch Kunden befürchteten ein gravierenderes Problem im Bankensektor. In Shanghai gab es am Dienstag allerdings keine Anzeichen von ungewöhnlich langen Schlangen vor Banken oder Geldautomaten. Nach Angaben der ICBC war eine Systemumstellung für die Störung verantwortlich. Mittlerweile laufe das Geschäft wieder reibungslos. Blogger berichteten hingegen, dass sie an einigen Automaten immer noch kein Geld abheben konnten.

(chb/reuters)