Chinesische Unternehmen und Privatpersonen sind so stark verschuldet wie seit Juni nicht mehr. Das gesamte inländische Finanzierungsvolumen («total social financing») sei im September auf 1,3 Billionen Yuan (circa 179 Milliarden Euro) angewachsen, teilte die chinesische Zentralbank in Peking mit. Das sind knapp 220 Milliarden Yuan mehr als im August. Ökonomen hatten mit einem nicht einmal halb so grossen Zuwachs gerechnet.

Das aggregierte Finanzierungsvolumen wird in China seit dem Jahr 2011 erhoben. Es gibt wider, in welchem Umfang sich Unternehmen und Privatpersonen verschulden. Banken sind von der Rechnung ausgenommen. Der Wert liegt im September auf dem höchsten Niveau seit Juni, also vor den Börsenturbulenzen, die im Juli durch eine überraschende Währungsabwertung ausgelöst worden waren. Seitdem macht die chinesische Wirtschaft vor allem durch schlechte Konjunkturdaten auf sich aufmerksam. Die chinesische Führung versucht, durch eine Ausweitung der Finanzierungskanäle gegenzusteuern.

«Zombie-Firmen»

Einige Beobachter sehen allerdings das Ausmass der Schuldenfinanzierung in China kritisch. Es gebe erhebliche Risiken an den chinesischen Finanzmärkten, die vor allem auf einen hohen Verschuldungsgrad der Unternehmen zurückzuführen seien, meint Jonathan Cornish, Asienexperte bei der Ratingagentur Fitch. Unternehmensinsolvenzen seien zwar bislang selten. «Dies ist aber darauf zurückzuführen, dass eine Reihe von ungesunden Unternehmen durch künstlich billig gehaltene Kredite am Leben gehalten werden.» Es bestehe die Gefahr, dass «Zombie-Unternehmen» herangezüchtet werden, die ohne die künstlichen Krediterleichterungen nicht überleben könnten.

(awp/chb)