Der Bundesrat folgt dem Antrag der Schweizerischen Nationalbank (SNB): Banken werden ab dem 30. Juni 2014 verpflichtet, die Eigenmittel für Wohnbauhypotheken von 1 auf 2 Prozent zu erhöhen. Die Fachsprache bezeichnet dies als antyziklischen Kapitalpuffer (AZP).

Für Ulrich Leuchtmann ist der Erfolg dieser Massnahme keinesfalls gesichert: «Die Aktivierung des AZP vor einem Jahr hat auch nichts gebracht», blickt der Commerzbank-Devisenspezialist zurück. Es sei kaum zu erwarten, dass damit eine weitere Aufblähung der Immobilienblase in der Schweiz verhindert werden könne.

Aufheben der Euro-Untergrenze keine Folgerung

Mit dem Schritt werde laut Leuchtmann klar, dass die SNB in einem Dilemma stecke: «Die Geld- und Wechselkurspolitik hat Deflationsrisiken nicht gebannt, gleichzeitig aber auch nicht die Entstehung beziehungsweise Ausweitung der Immobilienblase verhindert.» Ein Aufheben der Euro-Untergrenze bei 1.20 Franken könne aus dem gestrigen Schritt nicht gefolgert werden.

Mit ihrer Wechselkurspolitik habe sich die SNB die Hände gebunden: Die Untergrenze verhindere zwar ein Abgleiten in die Deflation, gleichzeitig versperre sie sich aber die Möglichkeit einer unabhängigen Zinspolitik und muss de facto der expansiven EZB-Geldpolitik folgen. «Damit befördert sie die Blasenbildung am Immobilienmarkt», so Leuchtmann.

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Zinserhöhung gegen Immobilienblase kein Thema

Das eigentliche Dilemma der SNB sei nicht mit einem Wechsel von Wechselkurs- zu Zinssteuerung zu beseitigen: «Die Inflationsrate ist mit 0,1 Prozent noch gefährlich tief, Deflationsrisiken sind noch lange nicht ausgestanden.» Die SNB könne laut Leuchtmann ja kaum mit Blick auf die Immobilienblase die Zinsen erhöhen, ohne gleichzeitig ein Abgleiten in die Deflation zu riskieren – deshalb überrascht der Titel seiner aktuelle Studie nicht: «Die SNB zwischen Pest und Cholera.»

Trotzdem gibt es Lob: «Die Schweizerische Nationalbank hat mit ihrem gestrigen Schritt bewiesen, dass sie auf dem ‹Asset-Bubble-Auge› nicht blind ist, während man das bei der EZB in Frankfurt nicht unbedingt annehmen.»