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Dänemark schafft, woran die SNB scheiterte

Dänische Zentralbank: Sie verpasste Spekulanten eine blutige Nase.   Bloomberg

Nach dem Ende der Frankengrenze zweifelten Investoren plötzlich an Dänemarks Euro-Bindung. Nun scheinen die Dänen den Kampf gegen die Spekulanten zu gewinnen – sie hatten es aber leichter als die SNB.

Von Marc Iseli
am 26.02.2015

Dänemarks Zentralbank schafft offenbar das, woran die Schweizer Währungshüter scheiterten. Seit Wochen spekulieren Investoren darauf, dass die Nordeuropäer die Kopplung der Krone an den Euro aufgeben. Nun mehren sich die Zeichen, dass die Spekulanten geschlagen sind und Dänemarks Nationalbank den Kampf gewonnen hat.

Die grösste Hypothekenbank des Landes, Nykredit, geht sogar davon aus, dass die drastischen, geldpolitischen Massnahmen, zu denen die Notenbank in der Verteidigungsschlacht griff, bald abgeschafft werden könnten. «Derzeit gibt es keinen Druck mehr auf die Krone, die Anbindung an den Euro ist sicher, zumindest vorübergehend», sagte Jacob Skinhoej. Skinhoej leitet die Nykredit-Abteilung für festverzinsliche Anlagen in Kopenhagen. Der dänische Anlageexperte geht sogar einen Schritt weiter: Die Zentralbank könnte bereits in sechs Wochen die Zinsen wieder anheben.

Aufwertungsdruck ist verpufft

Skinhoej stützt seine Aussage auf die Entwicklung des Wechselkurses zum Euro. Am Mittwoch sank der Kurs der dänischen Krone auf den tiefsten Stand seit Juni 2014. Damit löste sich der Aufwertungsdruck. Die am Dienstag veröffentlichten Daten zu den Devisenflüssen zeigten laut Svenska Handelsbanken überdies, dass die dänische Notenbank zuletzt keine Interventionen zur Abschwächung der Landeswährung vornehmen musste. «Das passt gut in den Trend eines nachlassenden Drucks auf die Anbindung, den wir jüngst beobachtet haben», erklärt Rasmus Gudum von Handelsbanken.

Im Gegensatz zu Dänemarks Zentralbank scheiterte die Schweizerische Nationalbank, die faktische Währungsbindung an den Euro zu verteidigen: Nachdem der Franken stark aufzuwerten drohte und die Nationalbank massiv mit Euro-Käufen tagelang am Markt intervenierte, gab sie den Wechselkurs am 15. Januar frei. Nach der Aufgabe der Frankengrenze war mit einem Mal Dänemarks Notenbank ins Visier von Grossinvestoren geraten. Die Bedenken hatten zugenommen, die Währungshüter des nordeuropäischen Landes könnten dem Beispiel der SNB folgen. Insgesamt senkte Dänermarks Notenbank die Depositenrate seit dem 19. Januar gleich vier Mal, um die Nachfrage nach Kronen zu schwächen.

Dänen senkten die Zinsen vier Mal in den vergangenen Tagen

Auch nach Einschätzung der dänischen Sydbank normalisiert sich die Lage beim Krone-Euro-Kurs wieder. Die Bank erwartet, dass die Renditen dänischer Staatsanleihen und Hypothekenpapiere in den kommenden Monaten steigen werden und die Zentralbank ihre Zinsen anheben wird. Den Einlagensatz sieht Sydbank dieses Jahr von minus 0,75 Prozent auf minus 0,5 und 2016 auf minus 0,25 Prozent steigen.

All dies suggeriert, dass es Zentralbankchef Lars Rohde gelungen ist, Anleger nach einem fünf Wochen währenden Kampf um die Verteidigung der dänischen Euro-Anbindung von seiner Politik zu überzeugen. Für die Verteidigungsschlacht wendete der Zentralbankenchef alleine im Januar mehr als 100 Milliarden Kronen auf – umgerechnet sind das rund 15 Milliarden Franken. In den ersten Februarwochen dürfte die Nationalbank weiter massiv interveniert haben.

Dänemarks Notenbanker hatten es einfacher

Damit wird jedoch auch klar, dass der Kampf für Thomas Jordan und seine Mannschaft weitaus schwerer war als für ihre dänischen Kollegen. Im Januar investierte die SNB Dutzende Milliarden Franken am Devisenmarkt. Um den Euro-Mindestkurs beizubehalten, hätte die Nationalbank mit immer höheren Beträgen intervenieren müssen, sagte kurz nach der Aufgabe der Frankengrenze Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg in einem Interview. «Hochgerechnet auf einen Monat hätten wir allein im Januar für rund 100 Milliarden Franken intervenieren müssen.» Milliardenbeträge seien täglich rausgegangen – ohne Aussicht auf ein Ende.

Dänemarks Anbindung zum Euro gilt bereits seit der Einführung der Gemeinschaftswährung 1999. Die dänische Krone ist in einer Spannbreite von 2,25 Prozent um einen Kurs von 7,46 Kronen an den Euro gebunden. Vorher war die Währung 17 Jahre lang an die D-Mark gekettet.

(mit Material von Bloomberg)

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