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Streit
«Dann stünde uns ein Handelskrieg bevor»

Das Säbelrasseln wird lauter: Donald Trump wettert gegen Chinas Wirtschaftspolitik, Peking ruft im Dumping-Streit die Handelsorganisation zu Hilfe. Auch in der EU zeigt man sich kampfbereit.

Von Mathias Ohanian
am 12.12.2016

Der politische Schlagabtausch zwischen den ökonomischen Grossmächten wird heftiger: Der designierte US-Präsident Donald Trump schimpft erneut über Chinas Handelspolitik und droht mit Sanktionen gegen den vermeintlichen Währungsmanipulator. Peking schiesst zurück – und will im Wirtschaftsstreit jetzt die Welthandelsorganisation (WTO) anrufen. Derweil stellt sich die EU nun erstmals eindeutig gegen Trumps angekündigten Protektionismus.

Einmal mehr teilte der künftige US-Präsident am Freitag gegen China aus: Das Land werte die eigene Währung ab, um die Exportwirtschaft zu begünstigen. Damit schade Peking der US-Wirtschaft, sagte Trump im Bundesstaat Louisiana. Deshalb wolle man «Handelsabkommen neu verhandeln, Dumping-Preise stoppen und auch die Währungsmanipulationen, die für unser Land ein Desaster sind». Schon im Wahlkampf hatte Trump Zölle in Höhe von 45 Prozent auf Chinas Produkte in Aussicht gestellt. Seinen ursprünglichen Kurs will er offenbar nicht aufgeben.

«Dann stünde uns ein Handelskrieg bevor»

Tatsächlich hat Peking in den vergangenen Tagen immer wieder Dollar auf die Finanzmärkte geworfen, um die eigene Währung stabil zu halten – und nicht weiter abwerten zu lassen. Denn aus Sorge vor einem weiteren Wertverfall meiden Investoren den Renminbi offensichtlich. So sanken die Devisenreserven im November um fast 70 Milliarden auf etwa 3000 Milliarden Dollar. Insgesamt besitzt China heute rund ein Viertel weniger Fremdwährungen als noch vor gut zwei Jahren.

«Um die Abflüsse aus der chinesischen Währung zu stoppen, haben chinesische Berater eine Abwertung des Renminbi um 20 Prozent empfohlen», sagt Investmentexperte Adrian Scherer von Limmatwealth. Der Gedanke dahinter: Wertet die Währung plötzlich deutlich ab, könnte das Investoren dazu veranlassen, im Renminbi zu bleiben oder sogar darin zu investieren. «Doch sollte diese Empfehlung umgesetzt werden, stünde uns ein Handelskrieg bevor», ist Scherer sicher. Denn Trump dürfte mit Handelszöllen und vergleichbaren Massnahmen reagieren. Das jedoch würde den Welthandel und schliesslich auch das globale Wachstum negativ beeinflussen.

China gegen USA und EU

Derweil wird das Säbelrasseln nicht nur von amerikanischer Seite lauter. China ruft im Handelsstreit mit der USA und der Europäischen Union (EU) nun die WTO an. Die Pekinger Regierung warf der Ländergemeinschaft und den Vereinigten Staaten vor, China entgegen früherer Abmachungen noch nicht wie vereinbart als Marktwirtschaft anerkannt zu haben.

Damit reagierte Peking prompt auf eine am Sonntag abgelaufene Frist, die bei Chinas WTO-Beitritt vor 15 Jahren gesetzt wurde. Bis zu diesem Termin hatte China eine Art Sonderstatus akzeptiert, der anderen Länder bestimmte Vorteile bei der Festlegung von Anti-Dumping-Zöllen einräumte.

Minister: Europa braucht Werkzeuge gegen Trump

Auch in Brüssel bereitet man sich auf einen möglichen Erstschlag von Trump im drohenden Handelskrieg vor. Darauf deuten Worte von Frankreichs Industrieminister Christophe Sirugue.

Europa könne nicht einfach die Rolle des Zuschauers einnehmen, sollte Trump seinen Ankündigungen aus dem Wahlkampf nun auch Taten folgen lassen. Sollte Trump auf Protektionismus setzen, müsste Europa «Werkzeuge erfinden» um zu reagieren, sagte Sirugue der «Financial Times».

In Alarmbereitschaft

Auch in Sachen Politik geht es zwischen China und Donald Trump zunehmend ruppig zu und her, dass nachdem sich die kommunistische Führung lange zurückhielt.

«China muss genug Munition vorbereiten und mit Trump auf eine Achterbahnfahrt der chinesisch-amerikanischen Beziehungen gehen», meint die chinesische «Global Times» und warnt vor den Auswirkungen: «Es ist zu befürchten, dass mehr Menschen in der Welt ihre Sicherheitsgurte anschnallen müssen.»

(mit reuters / sda)

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