Viele Ökonomen sehen in den extrem niedrigen Ölpreisen eine Art Gratis-Konjunkturprogramm für die Weltwirtschaft. Denn die Industrie in den Ölimportländern kann billiger produzieren und die Verbraucher sparen beim Tanken, sodass sie mehr Geld für andere Ausgaben übrig haben.

Zwar leiden andererseits die Ölexportländer unter den Dumping-Preisen. Da ihr Anteil an der Weltwirtschaft aber deutlich kleiner ist, dürfte das Billigöl unter dem Strich Balsam für die globale Konjunktur sein, so der Gedanke.

Anzeige

Börse im Sog der Ölpreise

Aber so ist es nicht. Im Gegenteil: Über die vergangenen Monate seien die Kurse an den Börsen tendenziell gefallen, wenn es am Ölmarkt bergab gegangen sei, schreiben die Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Und dieser Zusammenhang sei zuletzt noch deutlich stärker geworden.

Dass die Ölimportländer nicht vom Billigöl profitieren, liegt laut den IWF-Ökonomen daran, dass die Notenbanken mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik bereits weitgehend am Ende sind.

Höhere Realzinssätze

Normalerweise würden die Zentralbanken in Zeiten schwacher Teuerung aufgrund des Billigöls die Zinsen senken, um die Inflation anzuschieben. Aber: «Weil die Leitzinsen nicht mehr weiter fallen können, führt der Rückgang der Inflation aufgrund geringerer Produktionskosten zu höheren realen Zinssätzen, die die Nachfrage dämpfen und sehr wahrscheinlich jeden Anstieg bei Produktion und Beschäftigung ersticken», so die Experten.

Der Effekt könnte sich laut den Ökonomen in Zukunft aber auch umkehren, sofern die Ölpreise wieder stiegen. Denn dann würde bei unveränderter Geldpolitik die Inflation anziehen. Die realen Zinsen gingen zurück und könnten die globale Wirtschaft in Schwung bringen.

(awp/ise)