Die Meldung war ein Paukenschlag: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erhebt Negativzinsen. Guthaben auf den SNB-Girokonten werden künftig mit einem Zins in Höhe von minus 0,25 Prozent belastet, wie die Währungshüter heute Donnerstag mitteilten. Damit reagiert die SNB auf die anhaltende Frankenstärke.

Vor einem solchen Schritt hat kurz vor dem Schritt Börsenprophet Marc Faber gegenüber «handelszeitung.ch» gewarnt: «Möglicherweise werden auch die Banken in der Schweiz negative Zinsen einführen.» Das wäre eine Enteignung von Privateigentum, so Faber (siehe Video unten).

SNB-Chef Jordan verweist auf Geschäftsbanken

Nach dem Entscheid der SNB stellen sich jetzt viele Schweizerinnen und Schweizer die Fragen: Wie reagieren die hiesigen Banken auf die Strafzinsen? Wird die Massnahme der Nationalbank letztlich auch die Sparer treffen?

Obwohl er verantwortlich für den Zinsentscheid ist, wiegelt der SNB-Chef Thomas Jordan ab. Mit der Massnahme habe man vor allem die Grosskunden der Geschäftsbanken wie etwa Hedgefonds im Visier. Jene Investoren, die in Krisenzeiten schnell Geld verschieben. «Die Verzinsung der Kundeneinlagen steht im Ermessen der Geschäftsbanken», sagte Jordan am Donnerstag vor den Medien. Der Negativzins unterscheide sich kaum von anderen Zinsentscheiden.

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Vorbild EZB: So laufen Negativzinsen in Deutschland

So einfach ist es freilich nicht. Wie es in der Schweiz laufen könnte, zeigt der Blick ins nahe gelegene Ausland. Die Europäische Zentralbank verlangt von Banken seit September einen Strafzins von 0,2 Prozent, wenn diese bei der Notenbank über Nacht Geld anlegen. Diese Massnahme ist vergleichbar mit dem SNB-Schritt.

Im November reagierte mit der Commerzbank das zweitgrösste Geldhaus Deutschlands auf den EZB-Schritt. Die Bank kündigte an, hohe Millionenbeträge auf den Konten von Grosskonzernen und Profi-Anlegern mit einem Strafzins zu belegen. Auch die DZ Bank schliesst langfristig negative Zinsen auf hohe Guthaben von Firmenkunden nicht aus.

Eine deutsche Bank hat Tabu bereits gebrochen

Andere Banken in Deutschland denken ebenfalls über Strafzinsen nach. Vorerst sollen diese aber nur Grosskunden betreffen. Kleinsparer seien tabu. Die Skatbank in Thüringen hat mit diesem Tabu aber offenbar gebrochen: Sie erhob als erstes deutsches Institut auf Tagesgelder von über 500'000 Euro einen Strafzins von 0,25 Prozent – trotz des harten Wettbewerbs um Privatkunden.

Entsprechend könnten auch in der Schweiz zunächst nur sehr hohe Anlagebeträge davon betroffen sein. Und klar ist, dass auch in der Schweiz keine Bank daran interessiert sein wird, Sparern offiziell negative Zinsen aufzudrücken. Sie buhlen um jeden Privatkunden. Strafzinsen dürften daher die Kunden in die Arme der Konkurrenz treiben.

ZKB «kann und wird» reagieren, UBS evaluiert

So teilte die Zürcher Kantonalbank bereits mit, dass sie mit der Rückweisung von Zuflüssen oder mit Konditionenanpassungen auf Einzelgeschäften reagieren könne – und auch werde. Die Massnahme der SNB habe auf die Raiffeisen keine direkten Auswirkungen, da die Einlagen der Bank unter der für mindestreservenpflichtigen Kontoinhaber lägen. «Auch wenn der Druck auf die Zinsen bleibt, werden unsere Sparer nicht mit Negativzinsen rechnen müssen», so ein Sprecher.

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Eine weitere Möglichkeit: Die betroffenen Schweizer Banken könnten versuchen, über höhere Gebühren und Spesen die Negativzinsen der SNB an ihre Kunden weiterzureichen. Die UBS teilt auf Anfrage mit, zu evaluieren, «ob weitere Schritte wie Gebühren oder negative Zinsen abgebracht sind». Zum heutigen Zeitpunkt sei die Einführung von Negativzinsen noch nicht geplant. Die Credit Suisse erwägt derzeit ebenfalls nicht die Einführung von Negativzinsen auf Sparguthaben.

Am Ende kommt das auch beim Privatkunden an

Auch wenn der Strafzins für Kleinsparer vorerst ausbleibt – indirekt könnten die Massnahmen für grosse Bankguthaben auch die kleinen Konten belasten. «Hinter einem Investmentfonds, der für seine Einlagen Negativzinsen zahlen muss, stehen auch Gelder von Privatanlegern», heisst es vonseiten des deutschen Verbraucherschutzes.

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Ins gleiche Horn bläst UBS-Manager und Vorsitzende des Verbandes der Auslandsbanken in Deutschland, Stefan Winter. «Auf Dauer kann man nicht ausschliessen, dass das beim Privatkunden ankommt.»