1. Home
  2. Konjunktur
  3. Was Trumps US-Steuerreform für die Schweiz bedeutet

Steuern
Das sind die Folgen der US-Steuerreform für die Schweiz

UncleSam_USA
Die Symbolfigur «Uncle Sam» an einer Feier zum Nationalfeiertag: Die USA haben ihr Steuerregime reformiert.Quelle: Washington Post/Getty

Der Internationale Währungsfonds schätzt, wie stark die US-Steuerreform der Schweiz schaden wird. Die Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen.

Bild_Marc_Buergi
Von Marc Bürgi
am 28.08.2018

Letztes Jahr haben die USA ihr Steuersystem reformiert und vor allem die Steuersätze für Unternehmen per Anfang 2018 deutlich gesenkt. Präsident Donald Trumps Fiskalpaket hat den internationalen Steuerwettbewerb angeheizt – wie stark, zeigt nun eine aktuelle Studie des Internationalen Währungsfonds IWF: Die US-Steuerreform wird demnach die Einnahmen aus der Besteuerung von globalen Konzernen im Ausland um 1,6 bis 13,5 Prozent verringern. Weil US-Konzerne jetzt mehr in ihrer Heimat investieren, sinken ihre ausländischen Steuerzahlungen.

Anzeige

Die Schweiz ist einer der wichtigsten Steuerstandorte für amerikanische Konzerne. Nebst Niederlassungen von bekannten Unternehmen wie Johnson & Johnson oder Procter & Gamble kann die Schweiz auch zahlreiche US-Finanzgesellschaften und -Holdings vorweisen. Mindestens 5 Prozent aller US-Konzerngewinne werden gemäss US-Behörden hierzulande verbucht – in Realität dürfte dieser Betrag aber noch weit höher sein, weil er Investments via Drittstaaten nicht berücksichtigt.

US-Steuerreform_Donald_Trump_US_Fahne
US-Steuerreform von Donald Trump: Der Steuersatz für Konzerne sank Anfang 2018 von 35 auf 21 Prozent.
Quelle: Getty/Pool

Dennoch gehört das Land laut IWF nicht zu den grössten Verlierern der Steuerreform. Zwischen 0,3 und 6,6 Prozent dürften die Steuereinnahmen demnach hierzulande schrumpfen  – Länder wie Mexiko, Japan oder Grossbritannien werde Trumps Steuerschnitt härter treffen.

Moderater Effekt

Zu einem ähnlichen Schluss kommt eine weitere Studie des IWF von Ende Mai: Die US-Steuerreform habe wohl nur einen moderaten Effekt auf die Schweiz: «Im Moment sind keine grossen Veränderungen bei den Investitionsflüssen zu erkennen», heisst es in dem Papier. Allerdings sei dies nur eine Momentaufnahme, für ein abschliessendes Urteil sei es noch zu früh.

«Das Gros der Konzerne hat bis jetzt kein Geld zurückgeführt», glaubt Martin Naville, der Leiter der Handelskammer Schweiz-USA AmCham. Die amerikanischen Unternehmen wollten zuerst Klarheit darüber, wie die Schweizer Steuerreform ausfällt, sagt Naville. Mit der Steuervorlage 17 nimmt der Bundesrat derzeit einen weiteren Versuch, das Steuerregime nach dem Scheitern der Unternehmenssteuerreform III zu reformieren. «Vermögen zu repatriieren kostet Geld. Deshalb halten sich Unternehmen sehr damit zurück», sagt Naville. Hinzu kommt, dass US-Konzerne wegen des Doppelbesteuerungsabkommens eine Verrechnungssteuer von 5 Prozent bezahlen, wenn sie Geld in die Heimat zurückführen – dies bremst die Abflüsse zusätzlich.

Martin_Naville_AmCham
Martin Naville: Der Zürcher weibelt für die Wirtschaftsbeziehung Schweiz-USA.
Quelle: Keystone Images

«Nicht überbewerten»

Die IWF-Schätzung zu den Steuerausfällen hält Naville für wenig aussagekräftig. «Ich würde solche Studien nicht überbewerten.» Die Autoren analysierten den möglichen Effekt der US-Steuerreform anhand der Höhe der US-Direktinvestitionen sowie der Anzahl Niederlassung von US-Konzernen in den jeweiligen Ländern – bei der Schweiz kamen sie bei diesen beiden Messgrössen auf Steuerrückgängen von 0,3 respektive 6,6 Prozent. «Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte», sagt Mitautor Alexander Klemm vom IWF.

Gemäss dem IWF werden US-Konzerne hierzulande zu lediglich 7,7 Prozent besteuert (2014). Mit der Steuervorlage 17 würde der Satz, den die Konzerne bezahlen, demnach auf 10,9 Prozent steigen. «Die Schweiz würde steuerlich attraktiv bleiben», glaubt der IWF. Zum gleichen Schluss kommt Martin Naville. «Durch die US-Steuerreform ist der Druck auf die Schweiz aber sicher gestiegen, die Steuervorlage 17 zum Erfolg zu führen.»