Die Arbeitslosigkeit in Spanien geht langsam zurück, sie bleibt aber trotzdem mit einer Quote von über 22 Prozent eine der höchsten in Europa. Mehr als vier Millionen Menschen sind derzeit als arbeitssuchend registriert – de facto suchen noch viel mehr nach Möglichkeiten, im Job so viel zu verdienen, dass es zum Leben reicht.

Die meisten Stellenangebote sind einer Untersuchung der Handelshochschule Esade zufolge Teilzeitjobs und Jobs auf Zeit. Und viele Stellen tauchen offiziell erst gar nicht auf: Die Schwarzarbeit ist weit verbreitet. Marco Perez zum Beispiel hat offiziell noch nie eine Stelle gehabt – arbeitet aber seit acht Jahren in Spanien, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Der 38-Jährige kam aus Bolivien nach Bilbao im Baskenland.

Koch – Verkäufer – Umzugshelfer

«Gerade arbeite ich als Koch in einer Bar», erzählt er. Davor verdiente er sein Geld als Umzugshelfer und in einem Geschäft für Modelleisenbahnen. War der eine Job beendet, fand er immer einen neuen – durch Mund-zu-Mund-Propaganda.

Die Gewerkschaft der Steuerbeamten, Ghesta, schätzt, dass ein Schwarzarbeit ein Viertel des spanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmacht. Die Branchen, die am meisten Leute beschäftigen, ohne für sie Sozialabgaben zu zahlen, sind die Landwirtschaft, der Bau, der Handel und der Tourismus. Dazu kommen die privaten Haushalte.

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Teil der Anstellung schwarz bezahlt

Viele Unternehmen bieten Jobsuchenden auch eine Mischung an – die Jobs sind teils regulär, teils unter der Hand. Paloma Sotillo zum Beispiel arbeitete für 700 Euro im Monat in einem Spielzeuggeschäft in Madrid. «Im Vertrag standen 30 Stunden, gearbeitet habe ich 35 Stunden die Woche», erzählt die 43-Jährige.

Für die fünf Stunden extra bekam sie 120 Euro zusätzlich – bar auf die Hand. Paloma kündigte, weil sie ihre Mutter pflegen musste. Als der Ladeninhaber sie drei Monate später wieder einstellen wollte, lehnte sie ab: «Zu schlecht bezahlt.» Seitdem sucht sie einen besseren Job.

Laut einer Umfrage der Handelshochschule Esade arbeitet jeder zehnte regulär Beschäftigte gleichzeitig auch schwarz; insgesamt sind es rund 1,7 Millionen Beschäftigte. Bei den offiziell Arbeitslosen ist es sogar jeder fünfte.

Illegale Praktiken tief verwurzelt

Selbst in den Boomjahren bis zum Platzen der Immobilienblase hätten die Firmen weiterhin jede Menge Jobs schwarz erledigen lassen, sagt Alejandro Portes, Soziologieprofessor an der US-Universität Princeton. Die Schwarzarbeit sei in Spanien tief verwurzelt, klagt der Chef der Steuergewerkschaft, Carlos Cruzado.

Gründe seien die Steuerhinterziehung, die Korruption, die mangelnden Kontrollen der Firmen. «Höhepunkt» der Scheinheiligkeit ist für ihn das Argument, dass es bei der hohen Arbeitslosigkeit ohne die Schwarzarbeit ja eine soziale Katastrophe geben würde.

(sda/me/ama)