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Staatsschulden
An den Finanzmärkten steigen die Sorgen um Italien

Deputy Prime Minister and Minister of Interior Matteo Salvini listen the Italian anthem at a Coldiretti's initiative, the major representative organisation of Italian farmers, in Rome, Italy, on October 05, 2018.(Photo by Michele Spatari/NurPhoto via Getty Images)
Vize-Regierungschef Matteo Salvini: Seine Regierung sorgt für Unruhe an den Finanzmärkten.Quelle: Michele Spatari/NurPhoto

Italiens Regierung foutiert sich um EU-Finanzregeln. Das lässt die Zinsen für die Staatspapiere des Landes steigen.

Veröffentlicht am 08.10.2018

Kritische Aussagen der EU zum italienischen Haushalt für 2019 setzt den Anleihen des Landes zu. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel am Montag auf bis zu 3,523 Prozent, den höchsten Stand seit viereinhalb Jahren. Die EU monierte, dass das sogenannte strukturelle Defizit, bei dem Einmal-Effekte und Konjunkturschwankungen herausgerechnet werden, um 0,8 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung steigt. Die Kommission hatte eine Reduzierung dieses Fehlbetrags um 0,6 Prozent gefordert.

«Wir sind etwas überrascht von der Stärke der Kursreaktion an den Anleihemärkten», sagte Anlagestratege Antoine Bouvet von der Investmentbank Mizhuo. «Offenbar geht der Markt davon aus, dass die EU-Kommission eine harte Verhandlungslinie fahren will, wenn Italien seinen Haushalt einreicht.» Bis zum 15. Oktober muss die Regierung in Rom ihren Etat bei der EU zur Prüfung einreichen.

Salvini bekennt sich zum Euro

Für etwas Beruhigung sorgten neue Aussagen von Vize-Regierungschef Matteo Salvini. Er zerstreute Befürchtungen vor einer Abkehr Italiens vom Euro. Ein Euro stehe nicht zur Debatte. «Meine Kinder werden in einem europäischen Haus mit dem Euro in der Tasche aufwachsen», sagte der Politiker von der rechtsextremen Lega am Montag dem Sender RTL 102,5. Ein Euro-Austritt stehe nicht auf der Agenda, «nicht heute, nicht morgen oder übermorgen». Zugleich hoffe er, dass die Ratingagenturen bei der Überprüfung der Kreditwürdigkeit Italiens «unvoreingenommen» ans Werk gingen.

Die Regierungskoalition in Rom aus populistischer 5-Sterne-Bewegung und rechter Lega hat ein unerwartet hohes Haushaltsdefizit von 2,4 Prozent für 2019 angekündigt. Nun fürchten viele Anleger eine Konfrontation mit der EU und eine Reaktion der Ratingagenturen. Die Agentur Fitch hatte ihren Ausblick für Italien Anfang September auf «negativ» von zuvor «stabil» gesenkt. Damit droht dem Euro-Land in einem nächsten Schritt eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit.

(reuters/mbü/bsh)

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