Deutschland ist der grösste Handelspartner der Schweiz, doch die deutsche Industrie zeigt Schwächen: Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, haben die Industrieunternehmen den zweiten Monat in Folge deutlich weniger Neuaufträge erhalten. Demnach gingen die Aufträge im August zum Vormonat um 1,8 Prozent zurück. Zudem wurde der Rückgang im Juli von 1,4 auf 2,2 Prozent korrigiert. Bankvolkswirte hatten für August dagegen mit einem Anstieg um 0,5 Prozent gerechnet.

Positive Impulse kamen nur aus Ländern des Euroraums. Von dort kamen im August 2,5 Prozent mehr Aufträge als im Vormonat. Dagegen gaben die Nachfrage aus dem Inland und – besonders deutlich – die Aufträge aus Ländern ausserhalb des Euroraums nach. «Die Auftragseingänge entwickelten sich nach der starken Belebung im zweiten Quartal zuletzt schwach», kommentierte das deutsche Bundeswirtschaftsministerium. Allerdings sei der August durch einen Ferieneffekt – gemeint ist die späte Lage der Sommerferien – überzeichnet.

Exporterwartungen gedämpft

Ökonomen erwarten jetzt, dass sich die Wirtschaft abschwächen wird. «Da sich die globalen Frühindikatoren weiter im Sinkflug befinden, sollte man die Erwartungen an die Exportgeschäfte im zweiten Halbjahr etwas zurückschrauben», sagt etwa Andreas Scheuerle von der Dekabank. Angesichts des dramatischen Abschmelzens der Auslandsaufträge in die Nicht-Eurozone müsse man sich die Frage stellen, ob die Wachstumsschwäche der Schwellenländer sich vielleicht nicht doch schon in den harten Zahlen niedergeschlagen hat.

Anzeige

«Die Stimmungsindikatoren der Unternehmen hatten das so nicht signalisiert», sagt der Bankenökonom. «Insbesondere der Vergleich mit den Eurozonen-Bestellungen, die im gleichen Zeitraum zulegten, zeigt, dass Ferientageeffekte allein dafür nicht verantwortlich gemacht werden können.»

«Herbe Enttäuschung»

In die gleiche Kerbe schlägt Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein. «Die rückläufigen Bestellungen sind eine herbe Enttäuschung», sagt er. «Der Rückgang der Bestellungen aus Übersee zeichnet ein düsteres Bild.»

Der Vaduzer hat aber Anlass zur Hoffnung. « Die chinesische Konjunkturentwicklung dürfte sich in den kommenden Quartalen stabilisieren, was sich dann möglicherweise auch wieder in höheren Bestellungen für die deutsche Industrie niederschlägt», sagt Gitzel.

(awp/reuters/ise/ama)