Der mögliche Grexit Griechenlands, also der Austritt aus dem Euro, beschäftigt auch die Branche der Banknotendrucker. Selbst wenn Griechenland tatsächlich zur früheren Drachmen-Währung zurückkehren wollte, wäre die Versorgung der Bevölkerung mit neuen Banknoten kurzfristig gar nicht möglich.

Griechenland hat zwar eine eigene staatliche Gelddruckerei, in der früher die Drachme und danach auch Euro-Banknoten gedruckt wurden. Doch die alten Drachmen-Scheine könnten nicht einfach wieder gedruckt werden, weil sie nicht mehr den heutigen Sicherheitsanforderungen entsprechen. Um eine neue Währung einzuführen, dauert es in der Regel ein bis eineinhalb Jahre, erklären Geldnoten-Experten.

Keine Ausschreibung publik geworden

Bislang ist noch keine Ausschreibung publik geworden, die darauf hinweisen würde, dass Griechenland de facto Vorbereitungen für einen Neudruck der Drachme trifft. Die verschwiegene Branche der Gelddrucker hält sich mit öffentlichen Stellungnahmen ohnehin zurück.

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«Wir geben grundsätzlich keine Auskunft zu Spekulationen um individuelle Landeswährungen», heisst es beispielsweise beim grossen privaten Banknotendruck-Unternehmen Giesecke & Devrient (G&D). Beim grossen britischen Gelddruckkonzern De La Rue will sich ebenfalls niemand kurzfristig zum Fall Griechenland äussern.

Normalerweise mindestens ein Jahr Vorbereitung

Wie schnell sich eine Währung drucken lasse, hänge grundsätzlich von der Menge und der Stückelung ab, heisst es in der Branche. Wenn bereits alle Vorbereitungen getroffen sind, also beispielsweise das Papier bereitstehe, das Banknoten-Design und die Sicherheitsmerkmale festgelegt seien, könnte im Idealfall eine Banknote in etwa einem halben Jahr gedruckt werden. «Dazu müssen allerdings alle Produktionsschritte nahtlos ineinandergreifen», betont G&D. Im Regelfall dauere es mindestens ein Jahr, um eine Währung neu aufzusetzen.

Ein Kernpunkt bei den Diskussionen um einen Drachmen-Neudruck sei auch die Leistungsfähigkeit der griechischen Druckerei, heisst es in der Branche. Deren Kapazitäten sind öffentlich nicht bekannt. Die Griechen hatten zuletzt aus Angst vor den Währungsturbulenzen immer mehr Bargeld von ihren Banken abgehoben. Damit ist der Umlauf an Banknoten drastisch gestiegen.

Hohes Bargeldvolumen wäre eher hinderlich

Nach einer Statistik der griechischen Zentralbank übersteigt seit einigen Jahren die Summe des Vermögens in Bargeld die Summe der Einlagen auf den Bankkonten. Die Griechen räumen also ihre Bankkonten leer, um das Geld in den Händen zu haben, weil sie den Banken misstrauen.

Dieses hohe Bargeldvolumen wäre für die Einführung einer neuen Devise eher hinderlich. Denn sollte es tatsächlich jemals zu einem Neudruck der Drachme kommen, müssten die Experten auch kalkulieren, wie hoch der tatsächliche Bargeldumlauf angesetzt wird – dementsprechend viel müsste dann neu gedruckt werden.

Dieser Artikel erschien zuerst unter dem Titel «So lange würde der Druck der Drachme dauern» in unserer Schwesterpublikation «Die Welt».