Die Schweizer Wirtschaft ist im Frühjahr nur noch stagniert. Wie gross ist die Gefahr einer Rezession in der Schweiz?
Alexander Koch*: Nur klein. Die Aussichten sind deutlich besser als für die meisten Länder der Euro-Zone. Nach der wirtschaftlichen Stagnation im Frühjahr hat die Schweizer Industrie im Sommer wieder an Dynamik gewonnen.

Fürs Gesamtjahr rechnen Sie aber nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandprodukts um 1,5 Prozent – statt 2,0 Prozent. Warum?
Nach der Null im Frühjahr sind 2,0 Prozent nicht mehr realistisch. Der Euro-Raum als noch immer wichtigster Handelspartner erholt sich nur quälend langsam. Auch in den Schwellenländern lief es schlechter – das belastet die Exporterwartungen. Brasilien zum Beispiel ist wieder in der Rezession. Immerhin läuft es in den USA besser.

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Der Franken ist wieder bedrohlich nahe der Wechselkursuntergrenze. SNB-Chef Thomas Jordan schloss kürzlich eine Heraufsetzung des Mindestkurses auf 1.25 nicht aus. Wie wahrscheinlich ist ein solcher Schritt?
Das scheint vollkommen illusorisch. Selbst wenn die SNB diesen Schritt nicht explizit ausschliesst, ist sie davon wohl sehr weit weg. Denn bei einer Heraufsetzung der Untergrenze dürfte die Schweiz international als Währungsmanipulatorin gerügt werden.

Würde dann neuer Ärger mit Brüssel drohen?
Keineswegs nur mit der Europäischen Union. Auch grosse Organisationen wie die OECD oder der Internationale Währungsfonds beobachten sehr genau die Geldpolitik der Schweiz.

Bei der Einführung der Untergrenze von 1.20 im Herbst 2011 gab es kaum internationale Kritik. Warum wäre das bei 1.25 der Fall?
Man kann – je nach Berechnungsmethode – zum Ergebnis kommen, dass der Franken heute gar nicht mehr überbewertet ist. Nimmt man etwa die Produzentenpreise zu Hilfe, ist der aktuelle Wechselkurs angemessen. Daneben schlägt sich die Schweizer Exportwirtschaft gut: Uhren- und Pharmabranche haben ihren Handelsüberschuss ausgeweitet. Auch das lässt am Korrekturpotenzial des Franken zweifeln.

Der Franken wird gegenüber dem Euro also nicht mehr auf 1.50 fallen wie vor der Finanzkrise?
Damit ist nicht zu rechnen. Es ist sehr gut vorstellbar, dass der Euro auch mittelfristig, also in den kommenden drei bis vier Jahren, bei um die 1,20 Franken stehen wird. Das gilt auchm wenn die SNB die Wechselkursgrenze aufhebt. 

* Alexander Koch ist Chartered Financial Analyst und arbeitet als Ökonom in der Researchabteilung von Raiffeisen Schweiz in Zürich.