Die Sorge um den Zustand unserer Umwelt und der Kampf gegen den Klimawandel sind in jüngster Zeit wesentlich stärker ins Bewusstsein jedes Einzelnen gerückt. Umweltschutz ist heute ein Thema, das alle angeht. Jeder für sich kann und muss sich Gedanken darüber machen, wie man die negativen Veränderungen der globalen Erwärmung verhindern kann.

Neben anderen Emittenten gehört der Verkehr zu den Verursachern von Umweltbelastungen. Vor allem der Ausstoss von Kohlendioxid (CO₂), von Stickoxiden (NOx) sowie von Kohlenmonoxid (CO) und von Kohlenwasserstoffen (HC) belastet die Luft und führt zu negativen Auswirkungen auf unser Klima.
Zu den Unternehmen, welche sich Umweltschutz schon seit langem auf die Fahne geschrieben haben, gehören die Automobil- und Nutzfahrzeughersteller. Umweltschutz steht bei diesen Unternehmen an oberster Stelle der Prioritätenliste. Ökologische und zugleich ökonomische Fahrzeuge sind das Ziel für die Zukunft, in der völlig neue Antriebskonzepte zur Anwendung gelangen werden.

Lastwagen sind unverzichtbar

Die Nutzfahrzeughersteller arbeiten deshalb seit Jahrzehnten an umweltfreundlichen technischen Lösungen im Antriebsbereich und im Fahrzeugbau. Zusammen mit innovativen Zulieferunternehmen entstanden in den vergangenen Jahren moderne Fahrzeuge, welche bei hoher Leistungsfähigkeit deutlich weniger Treibstoff verbrauchen und damit auch ins Gewicht fallende Emissionsreduktionen erzielen.
Für den Gütertransport bleibt das Nutzfahrzeug auch in den kommenden Jahrzehnten das klar dominierende Verkehrsmittel. In der global immer stärker vernetzten Wirtschaft wächst der Güterverkehr weiter an. Experten prognostizieren für die Jahre 2000–2030 eine weltweite Zunahme des Transportvolumens um durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr; das entspricht einer Verdoppelung im Vergleich zu heute. Für die Nutzfahrzeughersteller bedeutet dies attraktive Absatzchancen, aber auch eine grosse Herausforderung.

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Knackpunkt Ballungszentren

Immer mehr Städte und Agglomerationen ergreifen Massnahmen, um den motorisierten Verkehr in den Innenstädten zu reduzieren. Konkret heisst dies: Es braucht immer umweltfreundlichere Nutzfahrzeuge, welche die Güterversorgung in den Citylagen in Zukunft gewährleisten. Gesucht ist also der «Grüne Truck» – das heisst der (weitgehend) emissionsfreie Lastwagen oder Bus. Recht weit fortgeschritten in der Entwicklung zukünftiger emissionsfreier Nutzfahrzeuge und Busse sind die Hersteller schwerer Nutzfahrzeuge.
In den vergangenen 15 Jahren wurden die behördlichen Auflagen in Bezug auf die Emissionen der Motorfahrzeuge stetig verschärft. Derzeit gelten in Europa Euro-5-Normen sowohl für Nutzfahrzeuge als auch für Personenwagen. Die Reduktion der Emissionen der Motorfahrzeuge, insbesondere der Lastwagen, seit dem Jahr 1990 ist eindrücklich: Der Ausstoss von CO₂, von NOx, von HC und der Partikel wurde in den vergangenen 20 Jahren um durchschnittlich 85 Prozent gesenkt.
Mit der Einführung der Euro-6-Norm zum 31. Dezember 2012 (siehe Kasten) werden die Emissionen insbesondere von NOx um 97 Prozent gesenkt, dies im Vergleich zum Jahr 1990. Die Bemerkung, der Lastwagen entwickle sich zur Luftreinigungsmaschine, ist gar nicht mehr so abwegig ...

Schritt zur weltweiten Norm

Im Rahmen der Optimierung des Dieselmotors als Hauptantriebsquelle von Nutzfahrzeugen arbeiten alle namhaften Hersteller an Motorkonzepten, mit denen die nochmals verschärften Euro-6-Normen erfüllt werden können. Bis anhin galten in den Hauptmärkten Nordamerika, Europa und Asien verschiedene Normen, welche die Hersteller erfüllen müssen. Mit Euro 6 erfolgt nun erstmals ein Schritt in Richtung einer weltweit harmonisierten Emissionsregelung, die Europa, Nordamerika und Japan umfasst.
Für die Hersteller von Nutzfahrzeugen bedeutet diese Harmonisierung eine Reduktion des immensen technischen und finanziellen Aufwandes, um die scharfen Emissionsnormen erfüllen zu können.

Scania und Mercedes als Erste

Spannend wird es nun sein, wann die ersten Nutzfahrzeuge auf den Markt kommen, die serienmässig Euro 6 erfüllen. Derzeit stehen zwei Hersteller im Vordergrund, welche bereits Fahrzeuge mit Euro-6-Motoren vorstellten. Es sind dies Daimler Trucks (Mercedes-Benz) und der schwedische Hersteller Scania.
Unter dem Namen Blue Efficiency Power lanciert der Daimler-Konzern eine völlig neue Baureihe von Heavy-Duty-Motoren, welche speziell auf europäische Bedürfnisse entwickelt wurden und die die neuen Euro-6-Normen erfüllen. Die neue Generation setzt sich aus drei Baureihen mit verschiedenen Hubräumen zusammen, die über ein gemeinsames technisches Grundkonzept verfügen. Der neue Mercedes-Benz-Sechszylinder-Reihenmotor OM 471 deckt mit einer Leistungsspanne von 310 kW (421 PS) bis 375 kW (510 PS) und maximalen Drehmomenten zwischen 2100 und 2500 Nm die unterschiedlichsten Anforderungen ab. Durch die Kombination von SCR-Technik (Selective Catalytic Reduction), Abgasrückführung (AGR) und Partikelfilter können die verschärften Euro-6-Normen erfüllt und auch der Partikelausstoss weiter reduziert werden. Die saubere und effiziente Verbrennung des Treibstoffs basiert auf einem flexiblen Common-Rail-System mit einer vollelektronischen Steuerung. Dafür wurde das neue Einspritzsystem X-Pulse entwickelt, welches einen weichen Lauf des Motors und niedrigen Treibstoffverbrauch ermöglicht. Wichtig für den Betreiber der neuen Fahrzeuge ist, dass die Serviceintervalle beim neuen Motor auf bis zu 150 000 Kilometer ausgedehnt werden konnten. Die neuen Motoren werden im neu entwickelten Mercedes-Benz-Actros-Modell erstmals in Serie gehen.

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Scania mit modularer Plattform

Der schwedische Nutzfahrzeughersteller Scania nutzt für die neue Euro-6-Motorengeneration die Abgasrückführung (AGR), eine variable Turboladergeometrie, Common-Rail-Einspritzung, die selektive katalytische Reduktion und Dieselpartikelfilter. Die 440- und 480-PS-Motoren basieren auf der modularen Motorenplattform von Scania, welche für die Euro-5-Motoren bereits 2007 vorgestellt wurde. Das neue Scania-Motormanagement steuert Motor und die Abgasnachbehandlungssysteme gleichzeitig. Die eigenentwickelte XPI (Extra High Pressure Injection-)Common-Rail-Einspritzung ist für einen Einspritzdruck von bis zu 2400 Bar konzipiert. Im Bedarfsfall kommt eine Nacheinspritzung zum Einsatz, um die optimale Abgastemperatur für ein gutes Funktionieren von SCR zu gewährleisten und die Regeneration des Partikelfilters zu unterstützen. Etwa 50 Prozent der NOx-Emissionen werden durch das EGR-System beseitigt, weitere 95 Prozent in den SCR-Katalysatoren. Der Partikelfilter senkt die Partikelemissionen um 99 Prozent. «Wir haben alles unternommen, um bei den neuen Euro-6-Motoren einen Mehrverbrauch zu vermeiden», unterstreicht Jonas Hofstedt, Senior Vice President Antriebsstrangentwicklung von Scania. Die ersten Versuchsfahrten mit zehn Euro-6-Fahrzeugen, die von Schweizer Kunden derzeit getestet werden, bestätigen diese Aussage.

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Noch nicht alle sind bereit

Da zwei Marken bereits in Kürze Nutzfahrzeuge mit Euro-6-Motoren liefern können, stellt sich die Frage, wann die anderen fünf Produzenten schwerer Nutzfahrzeuge mit entsprechenden Fahrzeugen aufwarten. Die Statements der fünf Hersteller auf die «Handelszeitung»-Umfrage fielen unterschiedlich aus (siehe Kasten). Das Rennen um die «Euro-6-Krone» ist also eröffnet.